Samstag, 17. Dezember 2016

Amoris laetitia: oder eine Hommage anlässlich des 80. Geburtstags von Papst Franziskus über seinen synodalen Weg

(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)
Dieser Blog über die Familiensynoden der Jahre 2014 und 2015, deren Vorbereitungen, weltweite Beteiligung und Rezeption macht im Blick auf alle Beiträge in den vergangenen drei Jahren deutlich, dass die im Verlauf der Zeit erarbeiteten Dokumente bis einschließlich des Apostolischen Schreibens 'Amoris laetitia' als Ergebnisse eines mit überwältigender Zweidrittelmehrheit aller Synodalen getragenen und mit Rückhalt der gesamten Weltkirche versehenen synodalen Prozesses anzusehen sind – und nicht etwa als persönliche Ansichten eines wenn auch mit oberster Lehrautorität sprechenden Papstes. An einem Geburtstag – zumal wenn es ein 80er Geburtstag ist – kommt man dennoch nicht darum herum, diese gesamtkirchliche Entwicklung auch zu personifizieren. „Mit Papst Franziskus lernt die Kirche neu", schreibt Kardinal Marx anlässlich des runden Geburtstages in einer Würdigung für die Deutschen Bischöfe und unterstreicht zugleich:
Mit Papst Franziskus geht die Kirche den künftigen Weg als ‚synodale Kirche‘. Vor einem Jahr hat der Papst dieses Wort auf der Weltbischofssynode in Rom geprägt. Mit seinen Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium und Amoris laetitia lässt er keinen Zweifel, wie dieser Weg der synodalen Kirche aussehen muss: im Miteinander und nicht im Gegeneinander, im Dialog und nicht im Monolog, im Austausch der Charismen und nicht im engen dogmatischen Verharren, in der Hinwendung zu den Ausgegrenzten und Suchenden und nicht in der Einmauerung in Normen und Vorschriften." (DBK Pressemeldung vom 15.12.2016)
Papst Franziskus ging diesen Weg seit Beginn seines Pontifikats. Und dennoch war es wahrscheinlich Fügung mit den Worten eines früheren Blogeintrages gesagt , dass der erste Synodentag der 'Amoris laetitia' unmittelbar vorausgehenden XIV. Ordentlichen Bischofssynode auf den Gedenktag des Hl. Franziskus von Assisi am 4. Oktober fiel, von dem der damalige Papst Innozenz III. träumte, dass er das Haus der Kirche stützen und wieder aufrichten würde.
Der Traum Papst Innozenz' III.: Ausschnitt aus dem Freskenzyklus Giottos
über das Leben des Hl. Franziskus, Basilika San Francesco, Assisi © KNA


Auch Papst Franziskus – nach der vom Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, mit Genehmigung des Papstes veröffentlichten Ansprache aus dem Vorkonklave – wurde gewählt aufgrund seiner die Kirche aus einer Trance nach Vatileaks, Korruptions- und Missbrauchsskandalen aufrüttelnden Analyse, dass ihm scheine, dass Christus in demselben Haus der Kirche heute 'von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen.'
'Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das ‚Geheimnis des Lichts‘ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der ‚geistlichen Mondänität‘ Raum [… in der] die einen die anderen beweihräuchern.'
Was den zu wählenden Papst angeht, plädierte der heutige Papst für eine Person, die 'aus der Betrachtung Jesu Christi und aus der Anbetung Jesu Christi der Kirche hilft, an die existenziellen Enden der Erde zu gehen, der ihr hilft, die fruchtbare Mutter zu sein, die aus der ‚süßen und tröstenden Freude der Verkündigung‘ lebt.' Diese viele Kardinäle beindruckenden Worte aus dem Vorkonklave – noch bevor der damalige Kardinal Bergoglio wusste, dass die Wahl auf ihn fallen und er den Namen Franziskus annehmen würde – lesen sich im Blick auf den bisherigen synodalen Prozess wie eine Kurzfassung der auf dem zurückliegenden Weg veröffentlichten Dokumente. (s. Blog-Beitrag vom 29.9.2015)
Bliebe es bei solchen personifizierten Erinnerungen, würde Papst Franziskus dennoch auf seinem Weg allein gelassen, wenn sie nicht zugleich münden in einen Aufruf zum innerkirchlichen Commitment. Erneut mit den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gesagt:
Ich wünsche uns und der Kirche in Deutschland, dass wir den Heiligen Vater gerade auf diesem Weg, der sich ja bis in unsere tägliche Arbeit in den Gemeinden auswirkt, tatkräftig unterstützen, wo immer dies möglich ist. […] Vor drei Jahren hat Papst Franziskus von der ‚Kirche des Aufbruchs‘ gesprochen. Zum 80. Geburtstag danken wir ihm von Herzen für diesen Aufbruch, den wir mitgehen, von dem wir uns angespornt fühlen, Gott und der Kirche zu dienen. Zum Geburtstag wünsche ich Papst Franziskus alles Gute im Namen der Kirche in Deutschland. Versprechen wir gemeinsam, weiter für den Papst zu beten, so wie es sein sehnlichster Wunsch war, als er am 13. März 2013 gewählt wurde.“ (DBK Pressemeldung vom 15.12.2016).
Lesen Sie auch den Blog-Beitrag vom 8.1.2017 oder unter www.amoris-laetitia.de: mit einigen der schönsten Kurzzitate aus dem nachsynodalen Schreiben sowie Erläuterungen, vertiefenden Informationen, Veranstaltungshinweisen im Rheinland und zahlreichen Linktipps darüber hinaus.  

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Amoris laetitia und der „Weg der Synodalität, welcher der Weg ist, den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwartet“


(Nr. 3 von 16 Kartenmotiven; hier AL 131 © www.amoris-laetitia.de)

Vor einem Jahr, am 8.12.2015, begann das 'Jahr der Barmherzigkeit' nicht zufällig am 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils. Der Jahrestag fällt dieses Jahr zusammen mit  Presseberichten zu einem bald erscheinenden Schreiben über „das Prinzip der Synodalität und seine theologische Bedeutung“, das „Abstimmen in Versammlungen“ sowie „das Einbeziehen von allen in pastorale Entscheidungsprozesse“, das von Papst Franziskus bereits im Januar dieses Jahres in Auftrag gegeben wurde. Wie in einem eigenen Beitrag vor dem Erscheinen des nachsynodalen Schreibens ‚Amoris laetitia‘ angedeutet, wird Papst Franziskus mit der Inkraftsetzung einer solchen Erklärung
„die Voraussetzungen für die Übernahme von Lehrverantwortung auf der Ebene der Teil- und Ortskirche schaffen müssen, indem er die synodale Verfasstheit der katholischen Kirche als gestufte Teilhabe an der Ausübung des kirchlichen Lehramtes erklärt, in Kraft setzt und mit ebendiesem Auftrag versieht.“ (ZDK Salzkörner  21. Jg., Nr. 6 (2015), 9)
Implizit sind diese Gedanken zur ‚synodalen Verfasstheit der katholischen Kirche als einer gestuften Teilhabe an der Ausübung des kirchlichen Lehramtes‘ – diese Selbstvergewisserung markierte auf der Feier des Synodenjubiläums den unvergesslichen Höhepunkt der Familiensynode des Jahres 2015 – bereits ganz zu Beginn und konkret im nachsynodalen Lehrschreiben ‚Amoris laetitia‘ aufgenommen, ja vorausgesetzt, indem der Papst darauf hinweist, 
„…dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. […] Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «. (AL 3)
In jeder Ortskirche wird konkret durchzubuchstabieren und auszuführen sein –  auch für die Deutsche Bischofskonferenz ist ein solches Wort der Bischöfe ja nun angekündigt –, was in der über drei Jahre synodal erarbeiteten Lehre zu Ehe und Familie auf einer obersten Ebene der Weltkirche – eben in dem am 8.4.2016 veröffentlichten nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia – beschrieben wurde. Gegen eine den synodalen Prozess im Grundsatz konterkarierende Infragestellung durch einzelne Stimmen der Weltkirche erklärt Papst Franziskus in einem gerade veröffentlichten Interview: 
„Sein postsynodales Schreiben „Amoris laetitia“ sei ein Ergebnis des gesamten synodalen Prozesses, „interessanterweise“ hätten dem, was da drinstehe, mehr als zwei Drittel der Väter zugestimmt. „Und das ist eine Garantie!“  (Radio Vatikan vom 7.12.2016) 

Das nachsynodale Schreiben  sei "das Ergebnis zweier Synoden, auf denen die ganze Kirche gearbeitet hat, und das der Papst sich angeeignet hat".  Nach zwei weltweiten Umfragen ist das Apostolische Schreiben bereits in der Weise seiner Entstehung wie im Inhalt – auf beinahe paradoxe Weise – ein  entscheidender Markstein auf dem Weg der Synodalität, welcher der Weg ist, den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwartet.“ (Vgl. Blog-Beitrag vom 17.10.2015). "‚Amoris laetitia‘ ist Vorbild der Synodalität" und Beispiel für eine  
synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie anhört, von dieser Realität lernt und sozusagen harmonisiert.“ Eine solche „synodale Kirche“ sei die, die ihm [Papst Franziskus] vorschwebe. „Das ist Einheit in der Vielfalt. Das ist Synodalität.“ (Radio Vatikan vom 7.12.2016) 
Wie schon geschrieben, werden wir es erleben: "Das angesprochene […]  Paradox der Familiensynode – die medial sowohl nach der Synode 2014 als auch 2015 beklagte Umstrittenheit der Synodenergebnisse  [und selbst noch die vereinzelte Infragestellung des nachsynodalen Schreibens] – wird rückblickend als Motor für die Erneuerung der Kirche gedeutet werden können: sowohl hinsichtlich der Lehrentwicklung als auch in Hinblick auf die Kirchenverfassung. 'Synodalität ist der Weg der Kirche im dritten Jahrtausend', denn: „Zeitgemäße Erneuerung […] heißt ständige Rückkehr zu den Quellen […] und zum Geist des Ursprungs." (Vgl. Blog-Beitrag vom 8.2.2016)

 
Lesen Sie in diesem Blog auch den nachfolgenden Blog-Beitrag vom 17.12.2016 anlässlich des 80. Geburtstages von Papst Franziskus oder erfahren Sie mehr unter www.amoris-laetitia.de: mit einigen der schönsten Kurzzitate aus dem nachsynodalen Schreiben sowie Erläuterungen, vertiefenden Informationen, Veranstaltungshinweisen im Rheinland und zahlreichen Linktipps darüber hinaus.