Dienstag, 8. Dezember 2015

„Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit!“ –  Das Jubeljahr der Barmherzigkeit hat am 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils begonnen!


Das offizielle Logo des Heiligen Jahres zeigt Jesus mit dem
verlorenen Menschen auf den Schultern / Bild: © 2015 KNA
"Dieses Außerordentliche Heilige Jahr ist selbst ein Geschenk der Gnade. Durch diese Pforte einzutreten bedeutet, die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegengeht. Es wird ein Jahr sein, in dem man sich immer mehr von der Barmherzigkeit überzeugen kann. Wie viel Unrecht wird Gott und seiner Gnade getan, wenn man vor allem behauptet, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, anstatt allem voranzustellen, dass sie von seiner Barmherzigkeit vergeben werden (vgl. Augustinus, De praedestinatione sanctorum 12,24)! Ja, genauso ist es. Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen, und in jedem Fall wird das Gericht Gottes immer im Licht seiner Barmherzigkeit stehen. Möge das Durchschreiten der Heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe. Lassen wir jede Form von Angst und Furcht hinter uns, denn das passt nicht zu dem, der geliebt wird; erleben wir vielmehr die Freude über die Begegnung mit der alles verwandelnden Gnade!



Wenn wir heute durch die Heilige Pforte gehen, wollen wir auch an eine andere Pforte denken: an die Tür, welche die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils vor fünfzig Jahren zur Welt hin aufgestoßen haben. Dieses Jahresgedenken darf aber nicht nur wegen des Reichtums der erstellten Dokumente erwähnt werden, die bis in unsere Tage erlauben, den großen Fortschritt festzustellen, der im Glauben gemacht wurde. An erster Stelle war das Konzil eine Begegnung. Eine wirkliche Begegnung zwischen der Kirche und den Menschen unserer Zeit. Eine von der Kraft des Geistes gekennzeichnete Begegnung, der seine Kirche drängte, aus der Dürre, die sie viele Jahre lang in sich selbst verschlossen gehalten hatte, herauszukommen, um mit Begeisterung den missionarischen Weg wieder aufzunehmen. Es war ein neuer Aufbruch, um auf jeden Menschen dort zuzugehen, wo er lebt: in seiner Stadt, in seinem Haus, am Arbeitsplatz… wo auch immer er sich befindet, da muss die Kirche ihn erreichen, um ihm die Freude des Evangeliums zu bringen. Ein missionarischer Impuls, also, den wir nach diesen Jahrzehnten mit derselben Kraft und derselben Begeisterung wieder aufnehmen. Das Jubiläum fordert uns zu dieser Öffnung heraus und verpflichtet uns – entsprechend der Mahnung des seligen Pauls VI. beim Konzilsabschluss –, die aus dem Vaticanum II hervorgegangene Mentalität des barmherzigen Samariters nicht zu vernachlässigen." (Papst Franziskus in seiner Predigt zur Eröffnung des Heiligen Jahres am 8.12.2015)

"Das habe ganz konkrete Folgen, auch für die Kirche, etwa in der Reform der Strukturen. Diese sei nötig, weil die Kirche Mittel sein müsse, die Barmherzigkeit erlebbar zu machen. „Wenn wir für einen Augenblick die Barmherzigkeit vergessen, dann wird jede unsere Anstrengung nichtig, denn dann werden wir Sklaven unserer Institutionen und unserer Strukturen, wie reformiert sie auch sein mögen.“ [...]
Er wünsche sich, dass die gesamte Kirche im Heiligen Jahr die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes machen könne, schloss der Papst seine Gedanken ab. „Ist es naiv zu glauben, dass das die Welt verändern könne? Ja, menschlich gesprochen ist das eine Dummheit, aber‚ das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen'," zitierte Papst Franziskus in der Generalaudienz am 9.12.2015 den Apostel Paulus. (1 Kor 1:25)

Lesen Sie in diesem Blog oder in dem Synodentagebuch, in welcher Zeit die Idee zu einem "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" entstand, wie der Gedanke schöpfungstheologisch grundgelegt ist, weshalb für Papst Franziskus die eigentliche Bedeutung des Begriffs Barmherzigkeit die Zärtlichkeit ist – und wie dieser Gedanke verbunden ist mit dem "Weg der Synodalität, welcher der Weg ist, den Gott von der Kirche im 3. Jahrtausend erwartet".

 
Am 8.12.2015, dem 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils, hat das Jubiläum der Barmherzigkeit begonnen. Wie in einem Resümee des zurückliegenden zweijährigen synodalen Prozesses für die ZDK-Salzkörner (21. Jg. Nr. 6) im letzten Satz schließend, wird Papst Franziskus "im Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit [...] diese Gedanken der jeden Menschen einbeziehenden, barmherzigen Liebe Gottes weiter entfalten und zugleich mehr als bisher zu einem synodalen Auftrag der Ortskirchen erklären." Lesen Sie das gesamte Resümee auch im Blog-Beitrag vom 8.2.2016!

Aktualisierte Informationen zum Verlauf des Heiligen Jahres vom 8. Dezember 2015 bis zum 16. November 2016 bundesweit wie in den Diözesen vor Ort finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz. 


Lesen Sie hier den nächsten Blog-Beitrag vom 8.2.2016 'Ecclesia semper reformanda'