Montag, 19. Oktober 2015

The one thing that's certain about next Sunday is that we might have finish the task. The journey will continue! 

Diese auch auf die synodale Struktur der Kirche gemünzte Feststellung machte der australische Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, der zusammen mit dem italienischen Erzbischof von Parma, Enrico Solmi,  und dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zu der heutigen Pressekonferenz geladen war.
Erzbischof Enrico Solmi, Erzbischof Mark Coleridge,
Patriarch Fouad Twal und P. Federico Lombardi (v.l.)

Die Arbeit der Synode hat Erzbischof Coleridge im Vergleich zu den bisherigen Synoden als einen Wechsel von einem 'wohlorganisierten Event' zu einem 'arbeitsreichen Prozess' erlebt, der aber – trotz verschiedenster Herausforderung und mancher Konfusion – eine 'faszinierende Reise' sei. Schon jetzt ist er sich aber sicher, hinsichtlich der von ihm als beeindruckend und spektakulär erlebten Ansprache des Papstes über die Synodalität der Kirche aus Anlass des 50 jährigen Synoden-Jubiläums, dass sie ein Höhepunkt der Synode gewesen ist und ggf. auch die Arbeit der Kleingruppen heute und morgen stimulieren werde.

Wie aber jetzt genau in dieser letzten Synodenwoche all die einzelnen Punkte mit zum Teil schwierigen pastoralen Einzelfragen des III. Teils des Instrumentum laboris in seiner eigenen Kleingruppe diskutiert und zu Vorschlägen ausgearbeitet und mit den anderen 13 Arbeitsgruppenergebnissen zu einem gemeinsamen Text zusammengefasst, vorgetragen und in dem Gesamttext aller drei Teile zur Abstimmung gebracht werden können, formuliert Erzbischof Coleridge – als Relator für seine Sprachgruppe 'Englisch C' als offene Frage. Doch jenseits der vielen Einzelfragen und -themen ist für ihn gewiss:
But I think that there is a confidence deep down that something can emerge from the process of fermentation."
“Ich denke, es gibt eine tiefgehende Überzeugung, dass etwas aus dem Fermentierungsprozess entstehen könne."
Was er damit meint, wird durch eine bereits in der Pressekonferenz am Samstag von dem spanisch sprechenden Pressesprecher Manuel Dorantes berichteten Episode auf Nachfrage noch einmal deutlich. Ein mexikanischer Bischof hatte in einem Statement von einem Jungen berichtet, der bei seiner Erstkommunion seinen wiederverheiratet geschiedenen Eltern ein Stück von seiner Hostie abgab. Diese Geschichte habe viele Synodalen angerührt und stand als  eines von vielen Beispielen aus der Lebenswirklichkeit von Menschen für die Notwendigkeit des diese Synode kennzeichnenden pastoralen Ansatzes, der bei speziellen und kulturspezifischen Themen – wie es der Sakramentenempfang von wiederverheiratet Geschiedenen etwa in einigen Teilen der Welt bedeutet – in vielen Fällen nur auf eine Einzelfallerwägung (pastoral approach on a 'case by case'-basis) herauslaufen könne.

In allem sei das gelebte Vorbild in Wort und Tat von Papst Franziskus für die Synode entscheidend, auf alle Themen “mit den Augen des Herrn” zu schauen (wie Erzbischof Solmi sagte), "anstatt sich in wunderschönen Diskursen zu ergehen, die aber keine Wurzeln mehr auf den Boden der menschlichen Erfahrung zu schlagen vermögen."
Otherwise we indulge in a discourse which is beautiful in itself, but not pull down roots on the soil of human experience.” (Erzbischof Coleridge)
Mit diesem pastoralen Ansatz, der jenseits einer enthobenen Kirchensprache (Church speak) sich auch um eine wertschätzende und ermutigende Sprache (new language) bemüht, werden die Eingaben der Sprachgruppen für Erzbischof Coleridge sicher viele Vorschläge für das Schlussdokument zusammentragen. Umgekehrt steht – um den Titel dieses Blog-Beitrages noch einmal aufzunehmen – nicht nur für ihn, sondern auch für P. Bernd Hagenkord bereits jetzt schon fest, dass “der Weg nicht mit der Synode endet”:
Immer wieder wurde in der Synode der Ursprung des Wortes betont, „Σύνοδος/Synodos“, „gemeinsam unterwegs sein“ oder auch „Reisegesellschaft“. Dementsprechend ist Synode weniger ein dreiwöchiges Ereignis als vielmehr Teil eines synodalen Prozesses, den der Papst will. Und dieser Weg wird am kommenden Wochenende nicht zu Ende sein. (...)
Ganz gleich, was der Ratschlag an den Papst sein wird, alles muss danach den Weg gehen, den es gekommen ist: zurück in die Ortskirchen. Nicht das Papier zählt, sondern was dann der Papst entscheidet und was dann vor Ort gelebt wird. Wirklichkeit ist wichtiger als Idee, sagt der Papst, das konkrete Leben der Ortskirche ist wichtiger als bedrucktes Papier, übersetze ich, oder besser: was das Papier kann, zeigt sich erst vor Ort.” (Radio Vatikan vom 19.10.2015)

Auf ein weiteres, schon jetzt festzuhaltendes Ergebnis wies heute in einem Interview der bereits zum achten Mal teilnehmende Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl hin, bevor er seinen Ärger über einige Bischöfe ausdrückt, denen immer noch am liebsten sei, dass über viele der in Frage stehenden Themen gar nicht erst gesprochen würde:
...but for me the great accomplishment of this Synod, was to say to the whole world, in the Catholic Church, the Pope was telling us there is room for discussion. The principle of God’s love and bringing people to God, is the norm. We need to understand how we bring people to God." (Vatican Insider 19.10.2015) 

Die große Leistung dieser Synode war es, der ganzen Welt zu zeigen, dass der Papst uns darauf hinweise, dass  es in der katholischen Kirche Raum für Diskussion gibt. Das Prinzip der Liebe Gottes und Menschen in die Begegnung mit Gott zu bringen, ist die Norm. Wir müssen verstehen lernen, wie wir Menschen zu Gott bringen.” (eigene Übersetzung)