Sonntag, 11. Oktober 2015

Synodenruhetag – mit dem dreifachen Blick Jesu, zwei Stimmungsbildern und einem hoffnungsvollen Ausblick auf mögliche Synodenergebnisse

Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe – und anders als am nächsten Wochenende, an welchem dritten Synodensonntag, den 18.10.2015 mit Louis und Zelie Martin, den Eltern der Hl. Therèse von Lisieux, ein Ehepaar heiliggesprochen wird, ist der zweite Synodensonntag auch ohne einen alle Synodalen gemeinsam bindenden Termin. Heute war stattdessen nach den intensiven und beinahe pausenlosen Beratungen zuvor – auch für die deutschen Synodenteilnehmenden – ein Tag des Innehaltens, der Reflexion und Erinnerung wie des Ausblicks.

Aloys und Petra Buch, Bischof Franz-Josef Bode, Kardinal Reinhard Marx,
Erzbischof Heiner Koch und Erzabt Jeremias Schröder OSB (v.l.; Bild: KNA)

Schon die kurze Ansprache des Papstes zum Angelus-Gebet geriet mit der Auslegung des Tagesevangeliums zu Mk 10,17-30 – mit offenen Augen und Ohren gehört – nolens volens auch zu einer Kurzfassung des zum Wochenbeginn im Einführungsreferat von Kardinal Erdö zitierten synodalen Dreischrittes der Pädagogik Jesu: Sehen, Mitleid haben, lehren. Dabei benannte Papst Franziskus einen dreifachen Blick der Liebe, der Nachdenklichkeit und der Ermutigung – wie sie im Grunde auch schon die Akzente der liebevollen, sachgerechten und positiv ansetzenden Wirklichkeitswahrnehmung in der ersten Synodenwoche gewesen sind.

Dieser dreifache Blick Jesu findet sich auch in einer Rückschau auf die erste Synodenwoche von Erzbischof Koch, der in einem Interview heute gegenüber der KNA neben dem Blick auf die Nöte der Familien weltweit, eine differenziertere, sachgerechtere Betrachtung anspricht und vor allem auch die positiv ansetzende und ermutigende Wahrnehmung der Zeichen der heutigen Zeit hervorhebt. Für die deutschsprachige Kleingruppe hatte er letzteren Akzent ja auch in seinem Bericht in der Synodenaula vorgetragen, den er heute ebenfalls noch einmal unterstreicht:
 
„Wir waren der festen Überzeugung, dass man nicht nur das Negative sehen darf. Dass wir eine positivere Sprache finden müssen, eine einladende, gewinnende und wertschätzende Sprache, die nicht ausgrenzt, urteilt und richtet."

An einem Sonntag als Ruhetag rücken zugleich auch Eindrücke nach vorne, die wie Stimmungsbilder nachklingen. Pater Bernd Hagenkord SJ, Radio Vatikan, der auch die III. Außerordentliche Bischofssynode verfolgt hat, bringt ein erstes in den folgenden Worten zum Ausdruck:
Die Stimmung ist besser. Es ist schwer, das genau festzumachen, aber es gibt weniger offene Konflikte außerhalb der Aula, weniger Kontroverse, und innerhalb des Saales versuchen alle, konstruktiv und positiv an Positionen zu arbeiten. Natürlich gibt es Auseinandersetzungen, es wäre nach all den Monaten von öffentlicher Debatte auch verwunderlich wenn nicht, aber die Mitglieder der Synode sind sich offensichtlich bewusst, dass es keine weitere Synode zum Thema gibt: Das hier ist es, und der Einsatz ist dementsprechend. Da ist richtig Bewegung drin.“ (Radio Vatikan vom 11.10.2015)

Auch Aloys und Petra Buch, die auf Einladung des Vatikans die deutsche Delegation der Deutschen Bischofskonferenz ebenso ergänzen wie der gewählte Repräsentant der Ordensoberen, Erzabt Jeremias Schröder OSB, berichten von dieser Bewegung: "Hier brennen Themen unter den Nägeln, wie Familie überhaupt noch funktionieren kann unter heutigen Verhältnissen", sagte Aloys Buch in einem Interview der KNA schon zu Wochenbeginn, wohingegen seine Frau Petra nach wie vor „beeindruckt vom Aufruf des Papstes [ist], in aller Freiheit und ohne Angst zu reden". Am Ende der ersten Synodenwoche liegt für das Ehepaar dennoch eine andere Erinnerung obenauf, die mir Aloys Buch am heutigen Sonntagnachmittag in folgendem Stimmungsbild sandte:
 
„Pause der Beratungen. In der Vorhalle der Synodenaula herrscht sehr viel Bewegung – viele kommen aus ganz unterschiedlichen Zugängen, tauchen aus verschiedenen Winkeln und Türen auf. Und sie bewegen sich in vielerlei Richtungen. Gespräche hier und dort, in allerlei Sprachen – nicht gerade jeder mit jedem, aber doch ganz viele in intensivem Austausch. Ein ziemliches Hin und Her, eine eigene Art von ‚buntem Durcheinander‘. Für Farbe sorgen vor allem die geschmückten Talare der Kardinäle und der Bischöfe – aber auch die Krawatten einiger Experten und Auditoren, in ganz besonderer Weise die Frauen. Sie sind wenige, aber sie sind unübersehbar, ähnlich wie Papst Franziskus. Jede und jeder ist irgendwie: mittendrin im unübersichtlichen Getriebe der Vorhalle. Und dann: wie auf ein Zeichen bewegen sich alle wieder zur Synodenaula, plötzlich mit einem gemeinsamen Ziel, jedenfalls auf einem gemeinsamen Weg: zurück in die Aula, wo es für alle weitergeht und irgendwie auch mit allen weitergeht – in Stellungnahmen, Beiträgen, Zeugnissen zu Ehe und Familie. Ebenfalls bunt; jede und jeder in eigener Weise engagiert für das, was alle an diesem Thema bewegt. Ein nachhaltiger Eindruck: man ist wirklich auf dem Weg, mit unterschiedlichen Hintergründen und Einblicken, auch mit Suchbewegungen – aber gemeinsam engagiert für das, was an diesem Thema bewegt. Es ist eben Synode – man ist wirklich auf dem Weg, und zwar in reicher weltkirchlicher Vielfalt.“

Erzbischof Koch blickt an diesem Sonntag ebenfalls mit Hoffnung auf die kommenden zwei Wochen und sagt in Hinblick auf seine Erwartungen an die Synode:
„Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Botschaft von Ehe und Familie in einer einladenden Sprache, in einer narrativen, in einer nicht nur juristisch geprägten Sprache zu formulieren. Wichtig ist weiter, dass wir den Menschen gegenüber ein Stück Dankbarkeit und Wertschätzung überbringen.  
Dann erwarte ich mir ein grundsätzliches Wort der Synode zu theologische Grundfragen: Wie kann es sein, dass ein Mensch, dessen Leben Brüche aufweist, etwa wegen einer gebrochenen Ehe - wie kann es sein, dass der ein Leben lang nicht den Zugang zum Tisch des Herrn findet? Denn die Eucharistie ist ja auch eine Feier zur Vergebung der Sünden. Sie ist für Menschen da, die Kraft und eine Aufrichtung brauchen. Ich halte es für notwendig, dass die Synode hierzu ein grundsätzliches Wort sagt. Genauer: dass der Papst sich dazu äußert; denn die Synode ist ja ein Beratungsorgan des Papstes.  
Im Übrigen hielte ich es für gut, wenn man in manchen Fragen die Entscheidung der einzelnen Bischofskonferenz überließe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass angesichts der unterschiedlichen Sichtweisen, die ich erlebe, alle Fragen in Rom geklärt werden. […]   Ich hielte es nicht für gut und sinnvoll, eine Synode danach zu bewerten, ob sie 100 Prozent Einigkeit in allen Fragen findet. Wir müssen dem Papst auch die unterschiedlichen Punkte und Sichtweisen vorlegen. Es ist sein schwerer Dienst an der Einheit, das zusammenzuhalten. Aber in wesentlichen Dingen müssen wir natürlich eins sein. Und in wesentlichen und grundsätzlichen Fragen sehe ich auch keine Diskrepanz." (Domradio vom 11.10.2015)
 
Die letzten Sätze greifen bereits auf die Fortsetzung der Generaldebatte Mitte der zweiten Synodenwoche zu dem III. Teil des Instrumentum laboris aus, für dessen breite und vertiefte Diskussion die produktive, von Wertschätzung geprägte Arbeitsatmosphäre, die Erholung an Leib und Seele nach einem Tag der wirklichen Sonntagsruhe und vor allem der dreifache Blick Jesu in Liebe, Nachdenklichkeit und Ermutigung Voraussetzung sein wird.