Dienstag, 8. Dezember 2015

„Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit!“ –  Das Jubeljahr der Barmherzigkeit hat am 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils begonnen!


Das offizielle Logo des Heiligen Jahres zeigt Jesus mit dem
verlorenen Menschen auf den Schultern / Bild: © 2015 KNA
"Dieses Außerordentliche Heilige Jahr ist selbst ein Geschenk der Gnade. Durch diese Pforte einzutreten bedeutet, die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegengeht. Es wird ein Jahr sein, in dem man sich immer mehr von der Barmherzigkeit überzeugen kann. Wie viel Unrecht wird Gott und seiner Gnade getan, wenn man vor allem behauptet, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, anstatt allem voranzustellen, dass sie von seiner Barmherzigkeit vergeben werden (vgl. Augustinus, De praedestinatione sanctorum 12,24)! Ja, genauso ist es. Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen, und in jedem Fall wird das Gericht Gottes immer im Licht seiner Barmherzigkeit stehen. Möge das Durchschreiten der Heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe. Lassen wir jede Form von Angst und Furcht hinter uns, denn das passt nicht zu dem, der geliebt wird; erleben wir vielmehr die Freude über die Begegnung mit der alles verwandelnden Gnade!


Sonntag, 8. November 2015

Synodentagebuch über die Fortführung der pastoralen Wende des II. Vatikanischen Konzils zum Beginn des Jahres der Barmherzigkeit
 
"Reformation aus Rom. Die katholische Kirche nach dem Konzil" lautete kurz nach dem Ende des II. Vatikanischen Konzils ein Resümee namhafter Theologen um die Herausgeber, Karl Rahner, Maria von Galli und Otto Baumhauer. Deren ursprünglich in einer gleichnamigen Sendereihe des WDR-Fernsehens benannten Themenkreise stehen auch nach dem zweijährigen, synodalen Prozess und der wichtigen Wegmarke, die die zurückliegende XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode bedeutete, wieder ganz oben auf der kirchlichen Tagesordnung und führen die Programmatik des Konzils fort: das ‚synodale Prinzip‘, die ‚pastorale Wende‘ und die Fortsetzung einer heilsgeschichtlichen und Gottes fortwährendes Schöpferwirken in allen Dingen in den Blick nehmenden Theologie.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit!“ Papst Franziskus zum Abschluss der 
XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom

(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)
Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist“, sagte Papst Franziskus beim Rückflug vom Weltjugendtag am 28.7.2013, bevor er kurze Zeit später eine Außerordentliche Bischofssynode zu den „pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“ für das Jahr 2014 einberief und alle Teilkirchen weltweit in einem insgesamt zwei Jahre währenden synodalen Prozess daran beteiligte. Nach der Auswertung eines mit dem Synoden-Schlussdokument des letzten Jahres versandten Fragebogens bildete die vom 4. bis 25.10.2015 sich anschließende XIV. Ordentliche Bischofssynode zur „Berufung und Mission der Familie in der modernen Welt“ die entscheidende Schlussetappe, welche für die Katholische Kirche zugleich eine Reform im Geist der Synodalität und der Neuausrichtung ihrer Lehre bedeutet.

Samstag, 24. Oktober 2015

"La diversità e la unità nella synodalità" der Konsens der 'Relatio finalis' und die Ermutigung zur pastoralen Unterscheidung in einer synodal verfassten Kirche

Zum Abschluss: das Te Deum nach der Abstimmung im Synodenplenum
(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk )
 L'Esprit Saint a bien soufflé - Der Heilige Geist hat gut geweht“, sagte Fr. Hervé Janson, der als Generalprior der Kleinen Brüder Jesu neben den gestern schon angekündigten Kardinälen Christoph Schönborn und Raymundo Damasceno Assis als Gast in der mittäglichen Pressekonferenz geladen war. Und er wehte wohl nicht minder auch am Nachmittag: Denn nachdem das entsprechend den gestrigen Rückmeldungen überarbeitete Abschlussdokument (vgl. dt. Arbeitsübersetzung) – in der Reihenfolge seiner drei, der Struktur des Vorbereitungsdokumentes entsprechenden Teile – bereits am Vormittag von Kardinal Assis, Kardinal Péter Erdö und dem Spezialsekretär, Erzbischof Bruno Forte, in der Synodenaula vorgetragen worden war, folgte am Nachmittag die mit Spannung erwartete Abstimmung aller 94 Absätze in einer Einzelabstimmung. Und entsprechend der Synodenordnung wurde eine Zweidrittelmehrheit von mindestens 177 (bei 265 anwesenden Synodalen) benötigt und tatsächlich erreicht, die notwendig war, damit das Dokument als Ganzes dem Papst als Beratungsergebnis dieser Bischofssynode übergeben werden konnte.

Freitag, 23. Oktober 2015

Eine Kirche voller Zärtlichkeit für alle Menschen … der Beginn einer neuen Kirche!"
                               Eine Synode, die die Kirche für Zärtlichkeit öffnet

Dies sagte der belgische Erzbischof von Gent, Lucas Van Looy, in seinem Schlussstatement der heutigen Pressekonferenz, das er in ähnlicher Weise auch in der Synodenaula vorgetragen habe. Er wie auch die beiden anderen zum vorletzten Pressebriefing dieser Synode geladenen Gäste, Kurienkardinal Peter Turkson (Ghana) und der kanadische Kardinal Gérald Cyprien Lacroix, Erzbischof von Quebec, bestätigten, dass die Synodenversammlung den Entwurf des 'ratio finalis' genannten Abschlussdokumentes mit hoher Zufriedenheit und Dankbarkeit aufgenommen hätten. 1135 Änderungsanträge – die meisten zum dritten Teil des Arbeitsdokumentes 'Instrumentum laboris' – hat das zehnköpfige Redaktionsteam berücksichtigt und eingearbeitet.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Erste Lesung der Relatio finalis – „Wir können nicht einfach 'Familiaris consortio' wiederholen.“

Ein Mitglied der zehnköpfigen Synodenkommission, die für die Fertigstellung des Abschlussdokuments zuständig ist, der indische Kardinal Oswald Gracias (Erzbischof von Mumbai), verriet heute in der Pressekonferenz, dass es der ursprüngliche Plan gewesen sei, die den Synodalen heute Nachmittag vorgelegte Relatio vorzulesen. Stattdessen führte der Generalrelator Kardinal Péter Erdö in die Grundgedanken und Struktur der Textvorlage der Relatio finalis ein, nachdem der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Baldisseri, zuvor die Arbeitsweise der zehnköpfigen Textkommission erläutert hatte. Das eingehende Studieren des um die 100 Paragraphen umfassenden Abschlussdokumentes ist damit in der 1. Lesung der privaten Lektüre am heutigen Donnerstagabend bzw. dieser Nacht vorbehalten, bevor der Text morgen Vormittag in der Generalversammlung in einer offenen Debatte zur Diskussion gestellt wird.

Synodale der XIV. Ordentlichen Bischofssynode bei der Lektüre (Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)


Mittwoch, 21. Oktober 2015

„Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ und über die Sorge, „dass der Text sich durch das Einfügen von Änderungen dramatisch verändert.“

Dass der letzte Bericht der deutschen Arbeitsgruppe mit dem Titel „Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ überschrieben ist, berichtete Kardinal Marx – anders als im vergangenen Jahr in englischer Sprache - auf der heutigen Pressekonferenz, zu der auch der irische Primas, Erzbischof Eamon Martin, und Montevideos Kardinal Daniel Fernando Sturla Berhouet (Uruguay)  eingeladen waren.
Kardinal Daniel Sturla Berhouet, Kardinal Reinhard Marx, Federico Lombardi (v.l.)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Die  bei  weitem  beste  und  offenste  Synode,  die  ich  erlebt  habe.“
(Kardinal Christoph Schönborn)
 
Kardinal Christoph Schönborn, Moderator des 'Circulus Germanicus' (Bild: KNA)
Dass die Synodalen mit den Gästen, Beratern und brüderlichen Delegierten in einem sehr guten „Klima der Synodalität“ (Kardinal Martínez Sistach) in den Plenarphasen, aber besonders intensiv in den Kleingruppen zusammengearbeitet hätten, war heute die einmütige Botschaft der zur Pressekonferenz eingeladenen Gäste in Bezug auf den Abschluss der 'Circoli minori' zum III. Teil des Instrumentum laboris. Neben Kardinal Sistach, dem Erzbischof von Barcelona, bestätigte auch der ebenfalls bereits von der III. Außerordentlichen Bischofssynode bekannte Erzbischof von Durban (Südafrika), Kardinal Wilfried Fox Napier, die sehr gute Arbeitsatmosphäre: Nachdem Papst Franziskus zu Beginn der ersten Synodenwoche seine letzten Bedenken an einem transparenten Arbeiten der Synode eindrucksvoll ausgeräumt hatte, ist der – zusammen mit den ebenfalls in den Pressebriefings der vergangenen Wochen bereits erlebten Kardinälen Vingt-Trois, Tagle und Assis – Präsident der Synode nun voll des Lobes:

Montag, 19. Oktober 2015

The one thing that's certain about next Sunday is that we might have finish the task. The journey will continue! 

Diese auch auf die synodale Struktur der Kirche gemünzte Feststellung machte der australische Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, der zusammen mit dem italienischen Erzbischof von Parma, Enrico Solmi,  und dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zu der heutigen Pressekonferenz geladen war.
Erzbischof Enrico Solmi, Erzbischof Mark Coleridge,
Patriarch Fouad Twal und P. Federico Lombardi (v.l.)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Über den Primat des Papstes, die Mitte des Evangeliums „unendlicher Zärtlichkeit“ und warum deshalb das heute heiliggesprochene Ehepaar in der Predigt des Papstes kaum zu Wort kam

Noch nicht einmal zwei Sätze seiner Predigt widmete Papst Franziskus direkt dem heute heiliggesprochenen Ehepaar Louis Martin und Marie-Azélie Guérin, den Eltern der Hl. Thérèse von Lisieux. Aber ihr Lebenszeugnis stand dennoch im Mittelpunkt, als Papst Franziskus mit großem Ernst und beinahe als Verstärkung seiner gestrigen Ansprache auf die Mitte des Evangeliums zu sprechen kam.
 
Screenshot aus der Heiligsprechungsmesse am heutigen 18.10.2015 in Rom

Samstag, 17. Oktober 2015

Der Weg ist das Ziel: oder Kollegialität und Synodalität als Wesensvollzug einer sich erneuernden Kirche
Der Festakt aus Anlass von 50 Jahren Bischofssynode wurde für die anwesenden Synodenväter und zahlreichen Gäste in der Audienzhalle Paul VI. zu einer Lehrstunde über „die Synode als Ort der Manifestation der bischöflichen Kollegialität, der Erneuerung der Kirche in Treue zum Evangelium und des unberechenbaren Wirkens des Heiligen Geistes“, wie der  Generalsekretär der Bischofssynode Kardinal Lorenzo Baldisseri Papst Franziskus aus seiner Ansprache zur Eröffnung der Generaldebatte der Bischofssynode am 5.10.2015 zitierte.
Papst Franziskus in seiner historischen Ansprache über die "Synodalität,
welcher der Weg ist, den Gott von seiner Kirche im 3. Jahrtausend erwartet."


Freitag, 16. Oktober 2015

In the Heart of the Synod is human Sexuality – Im Herzen dieser Synode ist die menschliche Sexualität

Bereits auf der vergangenen III. Außerordentlichen Synode – wie im Blog-Beitrag am 9.10.2014 zitiert – hatte es das Thema Sexualität schon unter die 'Top 5' der ersten Synodentage gebracht:

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Mission impossible – oder wie ich ein hinweisendes Zeichen auf Jesus, ein Zeuge seiner liebevollen Umarmung bin

 
Mission impossible“, sagte Pressesprecher Federico Lombardi angesichts der Aufgabe, die 93 Redebeiträge in einer einstündigen Pressekonferenz vorzustellen und im Pressegespräch zu vertiefen. Neben Federico Lombardi kamen jeweils für die verschiedenen Sprachgruppenbeiträge – wie schon zu Wochenbeginn, als die Redebeiträge zum II. Teil des Instrumentum laboris kurzgefasst wurden – Romilda Ferrauto (französisch), Manuel Dorantes (spanisch), Thomas Rosica (englisch) und P. Bernd Hagenkord (italienisch) zu Wort. P. Hagenkord berichtet von den wichtigsten Inhalten:

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Le synode est une chance non seulement pour l'église, mais pour le monde entière - Die Synode ist eine Chance nicht nur für die Kirche, sondern für die gesamte Welt!
Kardinal Philippe Ouédraogo, Kardinal Rubén Salazar Gomez, Kardinal Vincent
Nichols und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (v.l.; Bild: HolySeePress)
Diesen Satz sagte der zum dritten Mal an einer Bischofssynode teilnehmende Kardinal Philippe Ouédraogo, Erzbischof Ouagadougou (Burkina Faso) in einem Statement innerhalb der heutigen Pressekonferenz, in der er die Bedeutung des gemeinsamen Austausches, des voneinander Lernens und des Teilens der gemeinsamen Probleme und Herausforderungen auf der Ebene der Weltkirche beschrieb. Ein Gedanke fällt auch in seinem Bericht zum wiederholten Male als Beitrag des afrikanischen Kontinents, den schon Erzbischof Charles-Gabriel Palmer-Buckle aus Accra (Ghana) bei der Pressekonferenz am 8.10.2015 erwähnt hatte - wie in diesem Blog festgehalten - und gestern gegenüber Radio Vatikan ausführlicher beschrieb:

Dienstag, 13. Oktober 2015

"Das Ambiente ist heiter. Die Kleingruppen haben einen zivilisierenden Einfluss auf die Synodenmitglieder... Räumlich nah und eng beieinander, geht man mit Argumenten aufeinander ein, statt in einen Gegensatz abstrakter Ideen zu verfallen."

Dies sagte Abtpräses Jeremias Schröder heute ebenfalls mit benediktinischer Heiterkeit auf Italienisch in der Pressekonferenz, in der auch bekannt wurde, dass der auch zu Synodenbeginn mit deutlicher Kritik an den neuen Strukturen der diesjährigen Synodenarbeit vorgepreschte Kardinal Pell nach einer Woche Kleingruppenarbeit mittlerweile auch von einer guten Arbeitsatmosphäre spricht.
 
Thérèse Nyirabukeye (Ruanda), Moira McQueen (Kanada) Abtpräses Jeremias
 Schröder OSB und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (Bild: HolySeePress)

Montag, 12. Oktober 2015

Auch alte 'Synodenhasen' - ich habe heute jemanden getroffen, der ist schon auf seiner achten Synode hier - sagen mir: Das ist eine Revolution, das ist jetzt ganz anders!"

Vielleicht meinte der als  Delegierter der Ordensoberen gewählte deutsche Synodale, Abtpräses Jeremias Schröder OSB, in seinem Interview gegenüber dem offiziellen Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland 'Katholisch.de' den bereits erwähnten, ebenfalls zum achten Mal an einer Bischofssynode in Rom teilnehmenden Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, der gerade heute in einem von Seiten des Presseamtes des Vatikans veröffentlichten Videointerview die von Papst Franziskus weiterentwickelte Form der Synodalität gleichermaßen euphorisch lobte.
The last two synods - the one that proceeded and this one - are really great, great improvements. It's in a way a revolution. We're watching the development of the Synod! […]  I think it's a great step forward!.”
All dies wäre eine Wiederholung der vielen bereits zitierten Gedanken der Synodenväter, Berater und Gäste, wenn nicht ein - bereits durch die gezielte Vorveröffentlichung der Enzyklika 'Laudato Si'' diskreditierter Papstkritiker mit der Veröffentlichung eines vermeintlich von 13 Kardinälen unterzeichneten 'privaten' Schreibens an Papst Franziskus seinen Namen noch einmal mehr desavouiert hätte, in welchem sich diese Kardinäle früher erlebte, überkommene Synodenstrukturen zurückwünschten, aber auch unterstellten, dass mit den neuen Strukturen der Arbeit in Sprachgruppen und den neuen Formen der Beteiligung im Grunde nur die Existenz vorgefertigter Ergebnisse zu wichtigen und auch umstrittenen Themen kaschiert werden sollte.

Dass solche Vermutungen und Indiskretionen bewusst lanciert werden und von den immer selben Foren vermeintlich sachlich 'diskutiert' werden , nachdem Papst Franziskus in der Synodenaula allen 'konspirativen Verschwörungstheorien' in einer direkte Begegnung am Dienstagvormittag den Wind aus Segeln genommen hatte und die Arbeit der Synode gut vorangeschritten ist, nun eine Woche später von außen neu gezündelt werden, dient demselben, leicht durchschaubaren, aber böswilligen Motiv: dem schon in der vergangenen Woche misslungenen Versuch, die Arbeit der Synode bewusst von außen zu stören und unverhohlen dem Papst persönlich darin zu schaden.

Denn nicht von ungefähr kommen die Störmanöver zu einer Zeit, in der die Synode sich in der Generaldebatte seit Samstag und nach der Arbeit in den Kleingruppen an den ersten beiden Arbeitstagen dieser zweiten Synodenwoche fortgesetzt am kommenden Mittwoch sich denjenigen Fragen widmet, die zu den im Vorfeld am meisten diskutierten gehörten. Pater Bernd Hagenkord, der heute als Berichterstatter aus der Synodenaula  beim Pressebriefing in italienischer Sprache die wichtigsten Gesprächspunkte der insgesamt 43 freien Redebeiträge vorstellte, berichtete neben der einheitlich begrüßten, verstärkten Betonung der Ehevorbereitung (preparatio) und der gegenüber dieser in weiten Teilen der Welt beinahe noch mehr vernachlässigten Ehebegleitung (formatio) auch von den im Vorfeld des zweijährigen synodalen Prozesses kontrovers diskutierten offenen Fragen: 
„Auch zu den eher umstrittenen Themen des dritten Teil wurde gesprochen, zur Frage, wie eine offene und willkommen heißende Kirche praktisch aussehen könne. Gerade zum Sakramentenzugang für wiederverheiratete Geschiedene gab es alle Positionen: „geht gar nicht und kann auch nicht“ bis hin zu „wir müssen da was tun“. Warum dürfe zum Beispiel ein laisierter und verheirateter Priester zur Kommunion gehen?, fragte ein Synodaler. Das Handeln der Kirche sei oft nicht verstehbar." (Radio Vatikan 12.10.2015)

Pater Federico Lombardi überraschte auf der Pressekonferenz mit der Feststellung, auf die heute auch Erzabt Jeremias Schröder in seinem Synodenblog hinwies, dass die Diskussion zudem gezeigt habe, dass "es keine absolute Festigkeit der Lehre der Kirche und der Theologie über die Fragen der Ehe und des Sakramentes der Eheschließung gebe" bzw. "ein gewisses historisches Bewusstsein bestehe, dass es Änderungen im Laufe der Jahrhunderte zu den Themen gegeben habe“, wie sie auch an einigen Beispielen der letzten Jahrzehnte in diesem Blog am 19.4.2015 aufgeführt wurden.
 
Der aus den USA stammende Assistent von Pressesprecher Lombardi, Pater Thomas Rosica zitiert ein in der Ursprungssprache Englisch unter die Haut gehendes Statement in seinem Bericht des Pressebriefings heute, indem er einen Synodenvater zitiert, für den "die beiden Extreme, die beiden Pole, alles zu ändern oder nichts, keine Option" sei:
We have before us the great feel: The pastoral possibilities, a great scope of pastoral creativity. And we can no longer speak of the ways we've been speaking about the things. The old way was 'Truth in public' and 'Mercy in private'. That no longer holds. Also the same expression: 'Condemn the sin and not the sinner'- That no longer holds. We have to find new ways to expressing this things that people can understand them."  […]  
The Church must be an accompanying mother who does not reject anyone  […].  And the key is to remain firm and theological principals, but to make ecclesiastical discipline flexible and not impossible for pastoral difficult or near impossible situations. The topic of new family structures arose. There are all kinds of new family structures that are in play. And the church is in the midst of them. We've single parent families. Parents of mixed-faith families. Families of same sex couples. Famlies with without the close support of grandparents or the absence of grandparents. Families of grandparents and children without the presence of parents. Families that are separated by continual migration or refugee difficulties in the world. Intergenerational poverty. Many Families are simply left out of our pastoral strategies. […]  We have to reach out to those who do not fit our traditional categories. New families can no longer remain eliminated from the church. And the church cannot remain absent from these new situations." (eigene Verschriftlichung)
Wir haben vor uns eine große Ahnung: Pastorale Möglichkeiten, eine große Breite pastoraler Kreativität. Wir können nicht mehr wie früher über die Dinge sprechen. Der alte Weg war 'Wahrheit in der Öffentlichkeit ' und 'Barmherzigkeit im Privaten". Das geht nicht länger. Und der gleiche Ausdruck: "Die Sünde verurteilen und nicht den Sünder', geht auch nicht mehr. Wir müssen neue Wege finden, um die Dinge auszudrücken, damit die Menschen sie auch verstehen können.  […]  
Die Kirche muss eine begleitende Mutter, die niemanden zurückweist […] . Und der Schlüssel ist, feste und theologischen Prinzipien zu haben, aber die kirchliche Disziplin flexibel zu gestalten um pastoral schwierige oder fast unmögliche Situationen nicht unmöglich zu machen.
Das Thema der neuen Familienformen ist ebenfalls aufgekommen. Es gibt alle Arten von neuen Familienformen, die neu dazu kommen. Und die Kirche ist in der Mitte von ihnen. Wir haben Alleinerziehende Familien. Eltern interreligiöser Familien. Familien mit gleichgeschlechtlichen Paaren. Familien ohne die enge Unterstützung der Großeltern oder mit der Abwesenheit von Großeltern. Familien mit Großeltern und Kindern ohne die Anwesenheit der Eltern. Familien, die durch kontinuierliche Migrations- oder Flüchtlingsschwierigkeiten in der Welt voneinander getrennt sind. Intergenerationelle Armut. Viele Familien fallen einfach aus unseren pastoralen Strategien heraus. […]  Wir müssen es schaffen, auch diejenigen zu erreichen, die nicht in unsere traditionellen Kategorien passen. Neue Familienformen dürfen nicht mehr aus der Kirche eliminiert werden. Und die Kirche kann nicht mehr abseits bleiben von diesen Situationen."
(eigene Übersetzung)

Dass diese Themen auf dieser Synode in neuer Weise in den Blick kommen und angesprochen werden, bezeichnete ein ebenfalls als Gast der Pressekonferenz eingeladenes, brasilianisches Ehepaar, Ketty und Pedro De Rezende, im Anschluss an den dichten, eindrücklichen Bericht der Pressesprecher zu den ersten Redebeiträgen des III. Teils des Instrumentum laboris, als 'historischen Moment in der Geschichte der Kirche', für den sie dankbar sind, ihn in Rom mitzuerleben zu können. Die beiden nächsten Tagen widmen sich aber in den Klein- und Sprachgruppen zunächst wieder den Themen des II. Teils des Arbeitspapieres, für den bis Mittwoch je Sprachgruppe wiederum ein Bericht erstellt und im Synodenplenum vorgestellt werden muss.  
 
 


Sonntag, 11. Oktober 2015

Synodenruhetag – mit dem dreifachen Blick Jesu, zwei Stimmungsbildern und einem hoffnungsvollen Ausblick auf mögliche Synodenergebnisse

Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe – und anders als am nächsten Wochenende, an welchem dritten Synodensonntag, den 18.10.2015 mit Louis und Zelie Martin, den Eltern der Hl. Therèse von Lisieux, ein Ehepaar heiliggesprochen wird, ist der zweite Synodensonntag auch ohne einen alle Synodalen gemeinsam bindenden Termin. Heute war stattdessen nach den intensiven und beinahe pausenlosen Beratungen zuvor – auch für die deutschen Synodenteilnehmenden – ein Tag des Innehaltens, der Reflexion und Erinnerung wie des Ausblicks.

Aloys und Petra Buch, Bischof Franz-Josef Bode, Kardinal Reinhard Marx,
Erzbischof Heiner Koch und Erzabt Jeremias Schröder OSB (v.l.; Bild: KNA)

Samstag, 10. Oktober 2015

La sintesi dell' evangelizzazione e accoglienza - Die Synthese von Evangelisierung und Begleitung
Reinhard Kardinal Marx und Erzbischof Heiner Koch in Rom am 5.10.15 (Bild: KNA)
Mit dieser Redewendung beschrieb Pressesprecher Federico  Lombardi heute einen Gesprächsfokus der seit gestern und bis zum heutigen Vormittag andauernden Generaldebatte in der Synodenaula zum II. Teil des synodalen Arbeitsdokumentes, des Instrumentum laboris. Insgesamt 75 ‚freie Redebeiträge‘ – mehrheitlich aus dem europäischen Raum – widmeten sich in den vier Synodensprachen zu der Gesamtüberschrift des II. Teiles zur „Unterscheidung der Geister im Hinblick auf die Familie“ dem am Montag erwähnten ‚Blick Jesu‘ und der göttlichen, barmherzigen Pädagogik in Hinblick auf die Entfaltung menschlicher Liebe in Partnerschaft und Ehe (37-46), der kirchlichen Lehre zur Familie seit dem II. Vatikanischen Konzil (47-55) und schließlich der Entfaltung familialen Lebens von den Anfängen bis zur Entfaltung - einschließlich der schwierigen Situationen familialen Lebens (56-68).

Freitag, 9. Oktober 2015

I'm very much impressed by the openness to the diversity of situations and cultures, the diversity that brings complexity

Erzbischof Joseph Edvard Kurtz, Erzbischof Carlos Osoro Sierra, Kardinal Luis
Antonio Tagle, Pressesprecher Federico Lombardi (v.l.; Bild: HolySeePress)
 
Diese Worte sagte Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis, in einem Pressekonferenz-Statement am heutigen Tage der Vorstellung der ersten 13 Zwischenberichte der Kleingruppen zum 1. Teil des Intrumentum laboris. Er war bereits ein Jahr zuvor am Tage der Vorstellung des Aufsehen erregenden Zwischenberichts der III. Außerordentlichen Bischofssynode ebenfalls in einem Pressebriefing als Gesprächspartner für die Öffentlichkeit  ausersehen gewesen. Und dieses Mal wurde Kardinal Tagle, der bereits zum sechsten Mal an einer Bischofssynode teilnimmt und dessen Person als Mitglied der zehnköpfigen Redaktionskommission des Abschlussdokumentes der Synode besonderes Gewicht zukommt, begleitet durch den ebenfalls aus dem vergangenen Jahr bereits bekannten Vorsitzenden der amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Edvard Kurtz (Louisville), der zugleich Berichterstatter der Kleingruppe 'Englisch A' ist, und dem Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro Sierra.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Eine Synode des Volkes, die die Arbeit von zwei Jahren zusammenträgt

Nur noch von Ferne berührte heute in der Pressekonferenz der im wahrsten Sinne abwegige und mit der Realität der Synodenteilnehmenden im Grundsatz unvereinbare Gedanke einer 'konspirativen Verschwörung', als die beim heutigen Pressebriefing eingeladenen Gäste ihre Eindrücke von dem Herzstück dieser XIV. Ordentlichen Bischofssynode berichten: der Arbeit und den Themen der Klein- und Sprachgruppen. Mit den drei Gästen aus Italien, Syrien und Ghana stand gewissermaßen die Weltkirche den Journalisten zur Antwort bereit. Und während der einstündigen Pressekonferenz vermittelten Kardinal Eduardo Menichelli, Erzbischof von Ancona-Osimo (Italien), Erzbischof Gabriel Charles Palmer-Buckle von Accra (Ghana), und Msgr. Ignace Youssif III Younan, Patriarch von Antiochien der Syrer und Vorsitzender der Synode der Syrisch-Katholische Kirche trotz oder wegen ihrer kulturellen Verschiedenheit eine Botschaft, die Kardinal Menichelli mit der Charakterisierung dieser Bischofsversammlung als „Synode des Volkes“ zum Ausdruck brachte.

Erzbischof Gabriel-Charles Palmer-Buckle, Patriarch Ignace Youssif III Younan,
Kardinal Eduardo Menichelli und Pressesprecher F. Federico Lombardi (v.l.)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

"Papst Franziskus bat, nicht einer 'Hermeneutik der Verschwörung' stattzugeben, die soziologisch schwach und geistlich nicht förderlich ist."

 
Dieser Satz, über den Kurznachrichtendienst Twitter nach der zweiten Plenarsitzung am Dienstagmittag verbreitet, beschäftigte auch die Pressekonferenz des heutigen Mittwoch. Papst Franziskus sagte diese Worte in seiner gestern erwähnten, überraschenden Intervention im Anschluss an die notwendig gewordene, wiederholte Erläuterung der Geschäftsordnung der XIV. Ordentlichen Bischofssynode durch Synodensekretär Lorenzo Kardinal Baldisseri und beides wohl nach Berichten als Reflex auf eine Stellungnahme des australischen Kardinals George Pell, Präfekt des Sekretariats für Wirtschaft und Mitglied des G9-Kardinalsrates des Papstes, gegen Ende der einstündigen 'freien Diskussion' am Montagabend. Darin hatte er die Zusammensetzung einer zehn Personen umfassenden Sonderkommissionen, die das Abschlussdokument (Relatio finalis) zusammenstellen wird, als nicht ausreichend repräsentativ für ein breites Spektrum von Mitgliedern aus den verschiedenen Regionen der Welt kritisiert, die mit anderen, von der Synodenversammlung gewählten Mitgliedern ergänzt werden solle.

Dienstag, 6. Oktober 2015

"Wir sind die einzige Religionsgemeinschaft der Welt, die versucht ein solches Thema weltweit in Gemeinschaft und Einmütigkeit zu behandeln. Das ist nicht einfach!"
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München-Freising
und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Dieses Zitat aus einem Interview der Tagesthemen vom 5.10.2015 mit Kardinal Marx unterstreicht die große Herausforderung der Familiensynode, in dem es „die Unterschiedlichkeit der Kulturen wie der einzelnen Situationen der Länder“ anspricht. Und ich erinnere dabei dieselbe Aussage – damals als Frage formuliert -, als er im direkten Anschluss an die III. Außerordentliche Bischofssynode des letzten Jahres fragend in den Raum stellte: „Wie kann man bei dieser Vielfalt von Kulturen bei einem Thema wie Ehe, Familie und Sexualität eine gemeinsame Sprache finden? Von den soziokulturellen Unterschieden her ist das fast unmöglich.“ (Interview der KNA vom 19.10.2014)

Montag, 5. Oktober 2015

Vedere, avere compassione, insegnare – Sehen, Mitleid haben, lehren: Oder die drei großen Themen der kommenden Synodenwochen

"Sehen, Mitleid haben, Lehren". Diese Kurzversion der Haltung Jesu gegenüber den Menschen zitierte Kardinal Péter Erdö aus der Angelus-Ansprache von Papst Franziskus vom 19.7.2015 zu Beginn seines Einführungsreferates vor dem Synodenplenum in Hinblick auf die gestern bereits erwähnten drei großen Themenkomplexe des Vorbereitungsdokumentes Instrumentum laboris. 

Papst Franziskus und Kardinal Péter Erdö während seines Einführungsreferates

Sonntag, 4. Oktober 2015

Die Sendung der Kirche in Wahrheit und Liebe – Die Eröffnung der XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im 50. Jubiläumsjahr nach der Einsetzung dieses synodalen Beratungsgremiums in Folge des II. Vatikanums

Nach der gestrigen Vigilfeier mit mehreren Zehntausenden Menschen und Familien auf dem Petersplatz hat heute mit dem Eröffnungsgottesdienst die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Die Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der modernen Welt“ begonnen.

Dienstag, 29. September 2015

Countdown zur Familiensynode über ‚Die Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der modernen Welt‘ vom 4.10. bis 25.10.2015 in Rom

Am 4. Oktober beginnt die mit Spannung erwartete XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode als Abschluss eines zweijährigen, die gesamte Weltkirche einbegreifenden, synodalen Prozesses. Der Beginn fällt zugleich auf den Gedenktag des Hl. Franziskus von Assisi, von dem der damalige Papst Innozenz III. träumte, dass er das Haus der  Kirche stützen und wieder aufrichten würde.
Der Traum Papst Innozenz' III.: Ausschnitt aus dem Freskenzyklus Giottos
über das Leben des Hl. Franziskus, Basilika San Francesco, Assisi © KNA
Auch Papst Franziskus – nach der vom Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, mit Genehmigung des Papstes veröffentlichten Ansprache aus dem Vorkonklave – wurde gewählt aufgrund seiner die Kirche aus einer Trance nach Vatileaks, Korruptions- und Missbrauchsskandalen aufrüttelnden Analyse, dass ihm scheine, dass Christus in demselben Haus der Kirche heute „von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen.


Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das ‚Geheimnis des Lichts‘ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der ‚geistlichen Mondänität‘ Raum [… in der] die einen die anderen beweihräuchern.“
 

Was den zu wählenden Papst angeht, plädierte der heutige Papst für eine Person, die „aus der Betrachtung Jesu Christi und aus der Anbetung Jesu Christi der Kirche hilft, an die existenziellen Enden der Erde zu gehen, der ihr hilft, die fruchtbare Mutter zu sein, die aus der ‚süßen und tröstenden Freude der Verkündigung‘ lebt.“ Diese viele Kardinäle beindruckenden Worte aus dem Vorkonklave – noch bevor der damalige Kardinal Bergoglio wusste, dass die Wahl auf ihn fallen und er den Namen Franziskus annehmen würde – lesen sich im Blick auf den bisherigen synodalen Prozess wie eine Kurzfassung der auf dem zurückliegenden Weg veröffentlichten Dokumente und ebenso als Einleitung zu der in den nächsten Wochen folgenden Schlussetappe der Familiensynode über „Die Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der modernen Welt“.
 

Wenn Sie mögen, können Sie ab dem kommenden Sonntag, den 4. Oktober bis zum Sonntag, den 25. Oktober 2015 in diesem Blog eine tägliche Berichterstattung des Synoden-Verlaufes aus meiner Feder lesen und darin die Fortsetzung der ‚Revolution der zärtlichen Liebe‘ Tag für Tag ein stückweit mehr mitvollziehen. Ich freue mich über Ihr Interesse!




Dienstag, 1. September 2015


Von der "Revolution der zärtlichen Liebe – Vademecum zur Familiensynode und zum Jahr der Barmherzigkeit" am "Tag der Schöpfung"
Detail des Umschlagbilds von 'Revolution der zärtlichen Liebe.Vademecum
zur Familiensynode und zum Jahr der Barmherzigkeit (Bild
:
© Andrea Göppel)
Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist“, sagte Papst Franziskus beim Rückflug vom Weltjugendtag nicht einmal ein halbes Jahr nach seiner Papstwahl. Ich habe dieses Zitat an den Anfang des Vorwortes meines mit diesem letzten Blog-Beitrag vor der Synode gerade erschienenen Buches "Revolution der zärtlichen Liebe" gestellt, das neben allen - für die Buchveröffentlichung etwas überarbeiteten – Blog-Beiträgen  auch ein 24 Seiten umfassendes Stichwort- und Personenverzeichnis enthält. Der Titel wie der Untertitel: "Vademecum zur Familiensynode und zum Jahr der Barmherzigkeit" waren schnell gefunden. Denn mit der in den letzten Beiträgen einbezogenen Schöpfungsenzyklika ‚Laudato Si‘' ist noch einmal deutlicher geworden, wie sehr die theologische Botschaft von Papst Franziskus von der ‚Revolution der zärtlichen Liebe‘ (EG 88) in einer Schöpfungstheologie gründet, nach der „das ganze materielle Universum […] Ausdruck der Liebe Gottes ist, seiner grenzenlosen Zärtlichkeit uns gegenüber [...] - alles ist eine Liebkosung Gottes.“ (LS 84)
 
Papst Franziskus wählte am 1. September u.a. diese  Verse für eine Lesung in einem Wortgottesdienst aus Anlass des erstmals begangenen 'Tages der Schöpfung'.
"Die Schöpfung ist in der Ordnung der Liebe angesiedelt. […] Jedes Geschöpf ist also Gegenstand der Zärtlichkeit des Vaters, der ihm einen Platz in der Welt zuweist. Sogar das vergängliche Leben des unbedeutendsten Wesens ist Objekt seiner Liebe, und in diesen wenigen Sekunden seiner Existenz umgibt er es mit seinem Wohlwollen." (LS 77)
In demselben „Strom der barmherzigen Liebe“ (EG 108) gipfelt das Geheimnis der Menschwerdung und Auferstehung Jesu Christi (LS 96-100), die „kosmische Liebe“ (LS 236) in den Sakramenten – insbesondere der Eucharistie – wie das Leben der Kirche:
Der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit. Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen“. (MV 10)
Wie sehr die beiden Begriffe ‚Barmherzigkeit und Zärtlichkeit‘ für Papst Franziskus innerlich verbunden sind und sich wechselseitig erschließen, wird in den zurückliegenden Ansprachen und Veröffentlichungen immer deutlicher – auch wenn der letztgenannte, von Papst Franziskus oft gebrauchte Begriff der ‚zärtlichen Liebe‘ für unsere mitteleuropäischen Verhältnisse ungewohnt klingt und sicher das durchschnittliche kirchenamtliche Sprechen und Denken in den deutschsprachigen Diözesen eher noch nicht erreicht hat. Doch bietet gerade dieser Begriff der ’Zärtlichkeit‘ einen Zugang zum Vollsinn des Begriffes ‚Barmherzigkeit‘. In seiner Predigt in der Christmette 2014 drückt Papst Franziskus dies in folgender Weise aus:

[E]s ist die Liebe, mit der er in jener Nacht unsere Schwachheit, unser Leiden, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte und unsere Grenzen angenommen hat. Die Botschaft, auf die alle warteten, das, wonach alle tief innerlich suchten, war nichts anderes als die Zärtlichkeit Gottes: Gott, der uns mit einem von Liebe erfüllten Blick anschaut, der unser Elend annimmt, Gott, der in unser Kleinsein verliebt ist. Wenn wir in dieser Heiligen Nacht das Jesuskind betrachten, wie es gleich nach der Geburt in eine Futterkrippe gelegt wird, sind wir zum Nachdenken eingeladen. Wie nehmen wir die Zärtlichkeit Gottes an? Lasse ich mich von ihm erreichen, lasse ich mich umarmen oder hindere ich ihn daran, mir nahe zu kommen. „Aber ich suche doch den Herrn“, könnten wir einwenden. Das Wichtigste ist allerdings nicht, ihn zu suchen, sondern zuzulassen, dass er mich findet und mich liebevoll streichelt. Das ist die Frage, die das Christuskind uns einzig mit seiner Gegenwart stellt: Lasse ich zu, dass Gott mich lieb hat?“ (Papst Franziskus, Predigt in der Christmette 2014)

Das ist die Kernaussage des Evangeliums, der Frohen Botschaft, auch wenn wir sie uns nicht häufig genug sagen können und müssen – und gerade auch den Begriff ‚zärtlich‘ immer wieder verwenden, damit er nicht nur von Papst Franziskus gesagt wird und damit letztlich doch nicht hier bei uns angekommen ist, überhört wird, ‚unerhört‘ bleibt. Für Papst Franziskus ist es eindeutig, dass eine Mystik der überfließenden Liebe Grundlage ist für die Zukunft der Kirche und nicht minder für die Zukunft der Welt. Schon in der Schöpfungsenzyklika wies er auf die Bedeutung dieser Spiritualität hin:

Denn es wird nicht möglich sein, sich für große Dinge zu engagieren allein mit Lehren, ohne eine ‚Mystik‘, die uns beseelt, ohne „innere Beweggründe, die das persönliche und gemeinschaftliche Handeln anspornen, motivieren, ermutigen und ihm Sinn verleihen“. (LS 216)

Und wie Papst Franziskus schon in der Schöpfungsenzyklika die Kohärenz einer solchen Schöpfungsspiritualität mit einer offenherzigen Liebe allen Menschen gegenüber ebenso voraussetzt wie anmahnt, dürfen wir dies auch als Vorhersage für die pastoralen Leitlinien und theologischen Lehraussagen der kommenden Bischofssynode lesen:  

Ein Empfinden inniger Verbundenheit mit den anderen Wesen in der Natur kann nicht echt sein, wenn nicht zugleich im Herzen eine Zärtlichkeit, ein Mitleid und eine Sorge um die Menschen vorhanden ist.“ (LS 91)

Diese Zuwendung zu den Menschen bis zu den „existentiellen Peripherien“ gründet für Papst Franziskus aber nicht in einem moralischen Imperativ, sondern in einer positiven Beschämung, in der Widerfahrnis, zärtlich geliebt, ja gestreichelt zu sein und darin mitgerissen zu werden in einem wahren ‚Fluss der Barmherzigkeit‘ (Instrumentum laboris 106).

Erst aus der Beschämung, von Gott in meinem Kleinsein geliebt zu sein, folgen für Papst Franziskus in seiner Predigt am Heiligen Abend die Sätze, die auch als Leitfragen zu Beginn der Schlussetappe der Familiensynode stehen können:

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Haben wir den Mut, mit Zärtlichkeit die schwierigen Situationen und die Probleme des Menschen neben uns mitzutragen, oder ziehen wir es vor, sachliche Lösungen zu suchen, die vielleicht effizient sind, aber der Glut des Evangeliums entbehren? Wie sehr braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit!

Und in der Ankündigungsbulle des Jahres der Barmherzigkeit setzt Papst Franziskus fort:

Wie sehr wünsche ich mir, dass die kommenden Jahre durchtränkt sein mögen von der Barmherzigkeit und dass wir auf alle Menschen zugehen und ihnen die Güte und Zärtlichkeit Gottes bringen! Alle, Glaubende und Fernstehende, mögen das Salböl der Barmherzigkeit erfahren, als Zeichen des Reiches Gottes, das schon unter uns gegenwärtig ist. (MV 5)

Von dieser Botschaft wird auch die Familiensynode getragen sein, wenn Sie sich den vielen Fragen zuwendet, die als neue Herausforderungen in der weltweiten Befragung identifiziert wurden und nach einer neuen pastoralen Aufmerksamkeit verlangen: die vielen vorehelichen Partnerschaften und Freundschaften, die nicht einfach nur als Sünde angesehen werden, die wiederverheiratet Geschiedenen, die ihr Leben weder für sich noch vor ihren Kindern als auf immer fortbestehende Todsünde betrachten, wie Menschen mit homosexueller Orientierung, die auch in ihrer sexuellen Veranlagung Gottes Schöpferwillen am Werke sehen.

Eins steht schon jetzt fest: Wenn die diesjährige Bischofssynode – etwa unter Aufnahme der oft genannten theologischen Schlüsselbegriffe der ‚Analogie‘, der ‚Gradualität‘, mit der Rede von ‚Semina verbi‘ oder ‚Wachstumsstufen der Freundschaft – ein Erfolg wird, wird sie geprägt sein von einer Spiritualität, die nahe am ‚Herzschlag der Zeit‘ ist.

Papst Franziskus hat in der Schöpfungsenzyklika deutlich gemacht, dass es keine wirkliche ‚ökologische Umkehr‘ und Schöpfungsverantwortung geben könne, wenn sie nicht auch durchzogen ist von einer tiefen Schöpfungsspiritualität und Mystik (vgl. LS 216). Dasselbe ist auch bezogen auf die genannten, vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit zu sagen. Ohne eine Spiritualität der Barmherzigkeit, ohne eine ‚Revolution der zärtlichen Liebe' (EG 88), werden wir die Menschen von heute nicht mehr erreichen. Nur in barmherziger Liebe und Zärtlichkeit, die über den Buchstaben des Gesetzes hinausgeht, die größere Liebe einbezieht, und darin das Gesetz erfüllt (vgl. MV 21), wird die Kirche auch als Grundsakrament dieser Liebe wahrgenommen werden. Kirche überlebt, wie das gerade erschienene Buch von Kardinal Marx überschrieben ist. Denn die Zeit der Barmherzigkeit ist jetzt!


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