Freitag, 8. April 2016

"Lassen wir die Freude ausbrechen angesichts seiner Zärtlichkeit"  (AL 149) - oder: "Zeichen und Wunder sind uns geschehen" – Zur Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens 'Amoris Laetitia'

(Anschreiben von Papst Franziskus zum nachsynodalen Schreiben 'Amoris laetitia')
"Zeichen und Wunder werden geschehen“, so lautete der Titel eines ersten Interviews im Zuge meiner über zweieinhalbjährigen Beobachtung und Öffentlichkeitsarbeit zu den beiden Familiensynoden der Jahre 2014 und 2015. Die Überschrift nahm eine Formulierung des Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal Schönborn auf, der als Mitglied des Synodenrates schon kurz vor der ersten Familiensynode, der III. Außerordentlichen Bischofssynode, im Jahr 2014 optimistisch war in Hinblick auf Veränderungen in der Lehre bezüglich vieler ‚heißer Eisen‘, die nach den Rückmeldungen und Befragung aller Orts- und Teilkirchen beinahe weltweit unter den Nägeln brannten. In meinem Blog-Beitrag vom 4.10.2014 zu Beginn dieser Synode habe ich die bis zum heutigen Tag geltenden und in einschlägigen Dokumenten nachzulesende Lehrmeinung zusammengestellt, die durch das heute veröffentlichte Apostolische Lehrschreiben 'Amoris laetitia', insbesondere durch eine erneuerte, ja einer 'wirklichen Bekehrung' der Sprache – wie es in einem begleitenden Schreiben des Synodensekretärs Kardinal Lorenzo Baldisseris an die Bischöfe heißt – modifiziert wurden.
Die theologische Ausgangslage vor der Synode
Nichteheliche Verhältnisse verstoßen gegen das moralische Gesetz, sind schwere Sünde und die in ihnen lebenden Menschen ebenso vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen (vgl. KKK 2390) wie in homosexueller Partnerschaft lebende Menschen, die gegen das natürliche Gesetz verstoßen, wenn sie wider die ihnen auferlegte Keuschheit miteinander verkehren (vgl. KKK 2357). Und auch wiederverheiratet Geschiedene sind ihr Leben lang vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen, insofern sie dauerhaft in einer Todsünde verharren (vgl. CIC Can. 915)." (s. ebd.)
Dass diese und andere schwierige Themen – wie der Umgang mit Methoden der Empfängnisregelung – zur Diskussion gestellt werden könnten, war von der reinen Sachlage eigentlich so gut wie ausgeschlossen. Und die Frage war von Anfang an diejenige, die in dem zu Beginn angesprochenen Interview der Kölner Kirchenzeitung vom 3.10.2014 in Bezug auf die genannten ‚heißen Eisen‘ in folgender Weise angesprochen wurde:
„Mit dem Thema der wiederverheirateten Geschiedenen ist das Thema von nichtehelichen Lebensgemeinschaften angesprochen und dort die Frage, ob wir den Menschen in irgendeiner Weise eine Anerkennung zusprechen können, ohne zu sagen, was sie jeweils nicht sind. Einige Überlegungen gehen sogar dahin, dass gegebenenfalls eine sakramentale Kongruenz, eine beschreibbare Form sakramentaler Entsprechung, bestehen kann, um wiederverheiratete Geschiedene auch zu den Sakramenten zuzulassen. Die anderen Fragen sind ganz ähnlich: Ob wir wertschätzend etwas zu neuen Familienformen, zu homosexuellen Partnerschaften und anderen Lebensgemeinschaften sagen können und wie wir das Thema Sexualität, verantwortete Elternschaft und die Bedeutung des Gewissens neu ansprechen." (Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln Nr. 40-41/14 vom 3.10.14)
Nach zwei, alle Orts- und Teilkirchen weltweit einbeziehenden Umfragen zur Rückbindung der kirchlichen Lehre an die gelebte Wirklichkeit der Gläubigen und einem über zwei Jahre währenden synodalen Prozess, deren wichtigste Wegmarken die III. Außerordentliche Bischofssynode (5.10.-19.10.2014) und die XIV. Ordentliche Bischofssynode (4.10.-25.10.2015) darstellten, markiert das heute veröffentlichte nachsynodale Schreiben 'Amoris laetitia' mit seinen neun Kapiteln und 325 Ziffern einen vorläufigen Schluss- und Höhepunkt. Ganz zu Beginn unterstreicht Papst Franziskus, dass durch "die Vielschichtigkeit der angesprochenen Themen die Notwendigkeit deutlich [wurde], einige doktrinelle, moralische, spirituelle und pastorale Fragen unbefangen weiter zu vertiefen." (AL 2). Mit dem Sekretär des Synodensekretariates stellten Kardinal Schönborn und das Ehepaar Prof. Francesco Miano und Prof.  Giuseppina De Simone in Miano das neue Apostolische Schreiben von Papst Franziskus am 8.4.2016 in einer Pressekonferenz vor. Kardinal Schönborn übertreibt gewiss nicht, wenn er in seinen erklärenden Ausführungen herausstellt, dass die Kirche im Sinne einer "Inklusion" niemanden ausschließt und als "irregulär" oder als "in Todsünde lebend" verurteilt. Und tatsächlich: Alle in den vorangegangenen Absätzen zitierten ‚heißen Eisen‘ sind nicht nur angefasst worden, sondern haben sich über den über zweijährigen synodalen Prozess in der Sprache und darüber auch in der Sache  verändert.

Die Lehrentwicklung im nachsynodalen Schreiben 'Amoris Laetitia'
Voreheliche Beziehungen werden nicht mehr im Defizitmodus als ‚Konkubinate‘, ‚sündige Verhältnisse‘ oder ‚irreguläre Beziehungen‘ apostrophiert, sondern in ihrem Eigenwert gegenseitiger Liebe und Verantwortung geachtet, ohne dabei das – im Grundsatz von den allermeisten Menschen angestrebte, wie die weltweiten Umfragen zeigten – Ideal des ehelichen Treue- und Liebesverhältnis tiefer zu hängen oder gar das Versprechen der Unauflöslichkeit infrage zu stellen. Im Gegenteil widmet sich das Apostolische Schreiben 'Amoris laetitia' auf beinahe 60 Seiten in den von Papst Franziskus als die "zentralen Kapitel" (AL 6)  hervorgehobenen Abschnitten  der Beschreibung und theologischen Durchdringung der Ehe als der "größten Freundschaft" (AL 123; vgl. Thomas  von Aquin, ScG 123, 6), ihrer Berufung zum Leben und zur Entfaltung in der Familie (Kap. 5). Mit Überraschung, aber auch Stolz freue ich mich, dass dieser auch von mir bereits im o.g. Interview angedeutete, in Buchpublikationen wie in mehrsprachig aufbereiteten Blog-Beiträgen  empfohlene "Freundschaftsgedanke" einen solchen Stellenwert erhält, dass er allein 15 x zur tieferen Beschreibung der ehelichen Partnerschaft aufgenommen wird (in der Relatio Synodi wie im gesamten Verlauf der beiden Synoden fehlte dieser Schlüsselbegriff noch). Aber diese in der Liebe gründende, "besondere Freundschaft" (AL 125, 207) wird doch auch in ihrer Brechung in der je persönlich gelebten Lebenswirklichkeit gesehen, die nur in analoger Weise die göttliche Liebe repräsentieren (AL 73122),  und nicht minder in Verbindung zu anderen Lebensformen beschrieben werden kann, auf die hin viele Wesenselemente der ehelichen Freundschaft auszustrahlen vermögen. Fern davon, Zivilehen oder vermeintlich losere Partnerschaftsformen als ‚irreguläre Beziehungen‘ zu titulieren, werden Umstände benannt, die diese oft nicht immer frei gewählten Partnerschaftsformen bedingen (vgl. AL 294), und die in ihnen verwirklichte Güte beschrieben. Und auf der Linie dieser Wahrnehmung liegt die noch in der Enzyklika 'Familiaris consortio' (FC 84) im Grundsatz ausgeschlossene Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten: Im Gespräch und 'Forum Internum' mit einem Seelsorger und Beichtvater sollen – bezogen auf den je konkreten Einzelfall – Wege gesucht werden, die eine vollständige Teilnahme an den Sakramenten ermöglichen können (AL 300). 


Schließlich: Selbst wenn im nachsynodalen Schreiben Aussagen zu gelebter Homosexualität und homosexuellen Partnerschaften in den Ziffern 250 und 251 fehlen – weder in ausdrücklich positiver Beschreibung, aber auch nicht in verurteilender Sprache –, bedeutet der grundlegende Perspektivwechsel doch auch einen Auftrag zu einer neuen Annäherung im Verantwortungsbereich der jeweiligen Ortskirche und Kulturkreis, der auf Ebene der Weltkirche – wie die synodalen Beratungen auf den beiden Familiensynoden der Jahre 2014 und 2015 gezeigt haben – noch keinen gemeinsamen Nenner abzeichnen ließ. U.a. auf diese Frage wird der Hinweis zu Beginn von 'Amoris laetitia' zu lesen sein, dass unbeschadet der notwendigen  Einheit der Lehre "verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen" (AL 3) können, zu denen sich die deutschen Bischöfe während der Synoden zum Teil deutlich weitergehend geäußert haben: vgl. den Blog-Beitrag vom 10.10.2015.


Dafür wird auf weltkirchlicher Ebene in der seit der Enzyklika 'Humanae vitae' ausschließlich in naturrechtlicher Weise akzentuierten und beantworteten Frage der Verantwortung für das Leben und den Umgang mit der eigenen Fruchtbarkeit in neuer Weise auf die Bedeutung des Gewissens hin geöffnet (vgl. AL 222) und darin wieder an über einige Jahrzehnte an den Rand gedrängte, große Traditionen insbesondere der mittelalterlichen philosophischen Ethik wie des II. Vatikanischen Konzils angeknüpft. Gerade diese Passage und die Ziffern 280-286, die mit einem deutlichen "Ja zur Sexualerziehung" überschrieben sind, laden dazu ein sich des Themenkomplexes ‚Liebe-Freundschaft-Partnerschaft-Ehe-Sexualität-Fruchtbarkeit‘ in der Erziehung und Bildung  in einer neuen Sprache anzunehmen, dem sich die Kirche - wie im vorausgegangenen Blog-Beitrag vom 1.3.2016 ausgeführt - in neuer Weise stellen muss. 
Die theologischen Schlüssel:
Der schöpfungstheologische Ansatz, der Freundschafts- und Gradualitäts-Begriff und  die Theologie der Barmherzigkeit
All diese Reform-Schritte wurden möglich durch den von Papst Franziskus eingeschlagenen, synodalen Weg des Einbezugs des gesamten Volkes Gottes und des oft hervorgehobenen synodalen Dreischrittes: Wahrnehmen – und Gewinnung von "Bodenhaftung" (AL 6) –, Rückbindung an die Botschaft Christi und das Unterscheiden und Beziehen auf Handlungsoptionen: der Dreischritt, der auch die Struktur der Abschlussdokumente der beiden Familiensynoden und damit auch das nachsynodale Schreiben kennzeichnet. Synodalität – für Papst Franziskus das große Thema der Katholischen Kirche zu Beginn des 3. Jahrtausends – ist ja das formale Ergebnis, das im Hintergrund all der bislang angesprochenen Reformschritte das dahinterliegende Strukturprinzip wirklicher Katholizität ist, wie im vorletzten Blogbeitrag am 8. Februar beschrieben. Damit verbunden ist eine – im letzten unumkehrbare – Wertschätzung und Rehabilitierung eines bereits das II. Vatikanische Konzil prägenden, schöpfungstheologischen Ansatzes, der Gottes Wirken und seine Güte in allen Kreaturen sieht (und darin weder die Personwürde des Nächsten noch die eigene Subjektivität überspringt), wie es Papst Franziskus in seiner Schöpfungsenzyklika 'Laudato Si'' ausgedrückt hat. Und schließlich wird erst vor dem Hintergrund dieses theologischen Ansatzes auch der Gedanke der "Gradualität" deutlich, in der der Mensch sich  in einem "dynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes" entfalten kann (vgl. AL 122, 295) bis zur eheliche Liebe als der „größten Freundschaft“ (AL 123; s. auch Anhang unten). Die Durchlässigkeit menschlichen Lebens auf allen seinen Entfaltungs- und Vervollkommnungsstufen für die göttliche Liebe prägt die revolutionäre, alle blickverengende Erstarrung aufbrechende Perspektive des nachsynodalen Schreibens.  

'Revolution der zärtlichen Liebe' und 'Reformation im Geist der Synodalität'
Es wird den Versuch geben – und sie waren schon vor der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens 'Amoris laetitia' wahrzunehmen in immer denselben einschlägigen Kreisen, Foren und Zirkeln –, das nachsynodale Schreiben als ‚pastoral orientiert‘ in seiner Lehrverbindlichkeit kleinzureden und die bleibende Gültigkeit der zuoberst zitierten Paragraphen zu betonen, so als habe es nicht schon immer eine Lehr- und Dogmenentwicklung  zu den Fragen von Ehe und Familie in der katholischen Kirche gegeben. Aber gerade das zeichnet das nachsynodale Schreiben aus, dass im Licht einer an die Lebenswirklichkeit anknüpfenden Lehre, des barmherzigen Blickes Jesu auf die Liebesempfänglichkeit und Liebenswürdigkeit jedes Menschen und einer schöpfungstheologischen Wertschätzung und Sichtung des bereits verwirklichten Guten eine neue ‚Wahr-nehmung‘ und Verkündigung der frohen Botschaft im Licht der Zeichen der Zeit möglich ist. In Fortsetzung des II. Vatikanischen Konzils führt es eine Lehrentwicklung weiter, die an den ‚Spitzen‘ der zuoberst zitierten ‚heißen Eisen‘ am deutlichsten wird, aber durch die neu aufgenommene schöpfungstheologische Perspektive einer ‚Revolution der zärtlichen Liebe‘ gleichkommt, aber mehr noch für die Katholische Kirche darüber hinaus eine wirkliche „Reformation im Geist der Synodalität“ bedeutet.

Zeichen und Wunder sind uns geschehen!
 
Die Ehe als 'größte Freundschaft' (eine Kurzauswahl aus Amoris laetitia)
Nach der Liebe, die uns mit Gott vereint, ist die eheliche Liebe die »größte Freundschaft«. (AL 123) 
Es ist eine »affektive«, geistige und oblative, „schenkende Vereinigung, die aber auch die Zärtlichkeit der Freundschaft und die erotische Leidenschaft umfasst. (AL 120) 
Es ist eine Vereinigung, die alle Merkmale einer guten Freundschaft hat: Streben nach dem Wohl des anderen, Gegenseitigkeit, Vertrautheit, Zärtlichkeit, Festigkeit und eine Ähnlichkeit zwischen den Freunden, die sich im Laufe des miteinander geteilten Lebens aufbaut. Doch die Ehe fügt alldem eine unauflösliche Ausschließlichkeit hinzu, die sich in der festen Absicht ausdrückt, das gesamte Leben miteinander zu teilen und aufzubauen. (AL 123)
Die eheliche Freude, die sogar mitten im Schmerz erlebt werden kann, schließt ein zu akzeptieren, dass die Ehe notwendig ein Miteinander von Wonnen und Mühen, von Spannungen und Erholung, von Leiden und Befreiung, von Befriedigung und Streben, von Missbehagen und Vergnügen ist, immer auf dem Weg der Freundschaft, die die Eheleute dazu bewegt, füreinander zu sorgen: Sie »gewähren sich […] gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst«. (AL 126)  
Die Liebe der Freundschaft wird „caritas“ genannt, wenn sie den »hohen Wert« des anderen erfasst und wertschätzt. Die Schönheit – der „hohe Wert“ des anderen, der sich nicht mit seiner physischen oder psychologischen Anziehungskraft deckt – erlaubt uns, den unantastbaren Kern seiner Person zu erleben, ohne die zwingende Notwendigkeit, ihn zu besitzen  (AL 127)
Die freundschaftliche Liebe vereint alle Aspekte des Ehelebens und hilft den Familienmitgliedern, in allen Phasen des Lebens voranzugehen. (AL 133) 
Das Zweite Vatikanische Konzil lehrte: Diese eheliche Liebe » umgreift das Wohl der ganzen Person, vermag so den leib-seelischen Ausdrucksmöglichkeiten eine eigene Würde zu verleihen und sie als Elemente und besondere Zeichen der ehelichen Freundschaft zu adeln «. (AL 142) 
Die besondere Form der Freundschaft, die sie leben, kann ansteckend werden und die christliche Gemeinde, zu der sie gehören, in der Freundschaft und in der Brüderlichkeit wachsen lassen. (AL 207)


Nachwort des Verfassers 

Dienstag, 1. März 2016

In Erwartung des nachsynodalen Schreibens von Papst Franziskus: Für eine Sexualpädagogik, die an der Zeit ist, und für eine Theologie der Leiblichkeit

Leibfeindliches Christentum? Auf der Suche nach  einer
neuen Sexualmoral,  HerKorr Spezial 2-2014 (Titelseite)

Dass sich die Kirche gar nicht mehr mit den Fragen von Sexualpädagogik und -moral beschäftigen brauche, weil sich vermeintlich eh niemand mehr in der Gesellschaft an ihren Maßstäben orientiere, heißt es öffentlichkeitswirksam in einem vorab verbreiteten Interview des März-Heftes der Herder Korrespondenz. Ob Manfred Lütz die Pädagogik in einem Bereich der grundlegenden personalen Bildung (nicht zuletzt der Primar- und Sekundarstufen) tatsächlich dem freien Spiel der gesellschaftlichen Kräfte überlassen, allein durch Rezeptblock oder das Strafgesetzbuch (s.u.) geregelt oder aber zur Überwindung einer "katholischen Identitätskrise" – wider den reißerischen Ersteindruck im wahrsten Sinn 'stillschweigend' – die überkommenen Lehren bereits aufgegeben hat oder ungeschichtlich überhöhen will, mag hier offen bleiben.
 
Für eine Sexualpädagogik, die an der Zeit ist!

Montag, 8. Februar 2016

Ecclesia semper reformanda – oder über das doppelte Paradox der Familiensynode und seine Bedeutung für die Erneuerung der Kirche

(Der K9-Kardinalsrat berät über 'Synodalität' und die 'heilsame Dezentralisierung' - Bild: © KNA)

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 trat die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Sie führte die nach einem über zweijährigen synodalen Prozess – mit den Zwischenstationen zweier Umfragen und der vorausgegangenen Außerordentlichen Bischofssynode des Jahres 2014 – den theologischen Neuansatz der Wertschätzung familialer Lebensformen in einer Vervollkommnungsperspektive göttlicher Pädagogik weiter. Sie machte andererseits aber auch die Grundsatzfrage und Herausforderung in diesem Zentralbereich menschlicher Lebenswirklichkeit deutlich, wie man "angesichts der Vielfalt von Kulturen bei einem Thema wie Ehe, Familie und Sexualität eine gemeinsame Sprache finden" könne (Kardinal Marx am 19.10.2014). Papst Franziskus brachte es in einem vielzitierten Absatz in seiner Abschlussansprache am 24. Oktober 2015 in folgender Weise auf den Punkt:

"Und – obwohl die dogmatischen Fragen durch das Lehramt der Kirche klar definiert schienen – sahen wir, dass das, was dem einen Bischof von einem Kontinent normal war, den anderen befremdete und fast wie ein Skandal vorkam [...]; was in einer Gesellschaft als ein Verstoß gegen das Gesetz gilt, kann ein unantastbares Gebot in einer anderen sein; was für manche Teil der Gewissensfreiheit ist, gilt anderen nur als Verwirrung. In der Tat sind Kulturen sehr unterschiedlich und jedes generelle Prinzip bedarf der Inkulturation, um beachtet und angewendet werden zu können."


Dienstag, 8. Dezember 2015

„Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit!“ –  Das Jubeljahr der Barmherzigkeit hat am 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils begonnen!


Das offizielle Logo des Heiligen Jahres zeigt Jesus mit dem
verlorenen Menschen auf den Schultern / Bild: © 2015 KNA
"Dieses Außerordentliche Heilige Jahr ist selbst ein Geschenk der Gnade. Durch diese Pforte einzutreten bedeutet, die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegengeht. Es wird ein Jahr sein, in dem man sich immer mehr von der Barmherzigkeit überzeugen kann. Wie viel Unrecht wird Gott und seiner Gnade getan, wenn man vor allem behauptet, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, anstatt allem voranzustellen, dass sie von seiner Barmherzigkeit vergeben werden (vgl. Augustinus, De praedestinatione sanctorum 12,24)! Ja, genauso ist es. Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen, und in jedem Fall wird das Gericht Gottes immer im Licht seiner Barmherzigkeit stehen. Möge das Durchschreiten der Heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe. Lassen wir jede Form von Angst und Furcht hinter uns, denn das passt nicht zu dem, der geliebt wird; erleben wir vielmehr die Freude über die Begegnung mit der alles verwandelnden Gnade!

Sonntag, 8. November 2015

Synodentagebuch über die Fortführung der pastoralen Wende des II. Vatikanischen Konzils zum Beginn des Jahres der Barmherzigkeit
 
"Reformation aus Rom. Die katholische Kirche nach dem Konzil" lautete kurz nach dem Ende des II. Vatikanischen Konzils ein Resümee namhafter Theologen um die Herausgeber, Karl Rahner, Maria von Galli und Otto Baumhauer. Deren ursprünglich in einer gleichnamigen Sendereihe des WDR-Fernsehens benannten Themenkreise stehen auch nach dem zweijährigen, synodalen Prozess und der wichtigen Wegmarke, die die zurückliegende XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode bedeutete, wieder ganz oben auf der kirchlichen Tagesordnung und führen die Programmatik des Konzils fort: das ‚synodale Prinzip‘, die ‚pastorale Wende‘ und die Fortsetzung einer heilsgeschichtlichen und Gottes fortwährendes Schöpferwirken in allen Dingen in den Blick nehmenden Theologie.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit!“ Papst Franziskus zum Abschluss der 
XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom

(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)
Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist“, sagte Papst Franziskus beim Rückflug vom Weltjugendtag am 28.7.2013, bevor er kurze Zeit später eine Außerordentliche Bischofssynode zu den „pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“ für das Jahr 2014 einberief und alle Teilkirchen weltweit in einem insgesamt zwei Jahre währenden synodalen Prozess daran beteiligte. Nach der Auswertung eines mit dem Synoden-Schlussdokument des letzten Jahres versandten Fragebogens bildete die vom 4. bis 25.10.2015 sich anschließende XIV. Ordentliche Bischofssynode zur „Berufung und Mission der Familie in der modernen Welt“ die entscheidende Schlussetappe, welche für die Katholische Kirche zugleich eine Reform im Geist der Synodalität und der Neuausrichtung ihrer Lehre bedeutet.

Samstag, 24. Oktober 2015

"La diversità e la unità nella synodalità" der Konsens der 'Relatio finalis' und die Ermutigung zur pastoralen Unterscheidung in einer synodal verfassten Kirche



Zum Abschluss: das Te Deum nach der Abstimmung im Synodenplenum
(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk )
 L'Esprit Saint a bien soufflé - Der Heilige Geist hat gut geweht“, sagte Fr. Hervé Janson, der als Generalprior der Kleinen Brüder Jesu neben den gestern schon angekündigten Kardinälen Christoph Schönborn und Raymundo Damasceno Assis als Gast in der mittäglichen Pressekonferenz geladen war. Und er wehte wohl nicht minder auch am Nachmittag: Denn nachdem das entsprechend den gestrigen Rückmeldungen überarbeitete Abschlussdokument (vgl. dt. Arbeitsübersetzung) – in der Reihenfolge seiner drei, der Struktur des Vorbereitungsdokumentes entsprechenden Teile – bereits am Vormittag von Kardinal Assis, Kardinal Péter Erdö und dem Spezialsekretär, Erzbischof Bruno Forte, in der Synodenaula vorgetragen worden war, folgte am Nachmittag die mit Spannung erwartete Abstimmung aller 94 Absätze in einer Einzelabstimmung. Und entsprechend der Synodenordnung wurde eine Zweidrittelmehrheit von mindestens 177 (bei 265 anwesenden Synodalen) benötigt und tatsächlich erreicht, die notwendig war, damit das Dokument als Ganzes dem Papst als Beratungsergebnis dieser Bischofssynode übergeben werden konnte.

Freitag, 23. Oktober 2015

Eine Kirche voller Zärtlichkeit für alle Menschen … der Beginn einer neuen Kirche!"
                               Eine Synode, die die Kirche für Zärtlichkeit öffnet

Dies sagte der belgische Erzbischof von Gent, Lucas Van Looy, in seinem Schlussstatement der heutigen Pressekonferenz, das er in ähnlicher Weise auch in der Synodenaula vorgetragen habe. Er wie auch die beiden anderen zum vorletzten Pressebriefing dieser Synode geladenen Gäste, Kurienkardinal Peter Turkson (Ghana) und der kanadische Kardinal Gérald Cyprien Lacroix, Erzbischof von Quebec, bestätigten, dass die Synodenversammlung den Entwurf des 'ratio finalis' genannten Abschlussdokumentes mit hoher Zufriedenheit und Dankbarkeit aufgenommen hätten. 1135 Änderungsanträge – die meisten zum dritten Teil des Arbeitsdokumentes 'Instrumentum laboris' – hat das zehnköpfige Redaktionsteam berücksichtigt und eingearbeitet.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Erste Lesung der Relatio finalis – „Wir können nicht einfach 'Familiaris consortio' wiederholen.“

Ein Mitglied der zehnköpfigen Synodenkommission, die für die Fertigstellung des Abschlussdokuments zuständig ist, der indische Kardinal Oswald Gracias (Erzbischof von Mumbai), verriet heute in der Pressekonferenz, dass es der ursprüngliche Plan gewesen sei, die den Synodalen heute Nachmittag vorgelegte Relatio vorzulesen. Stattdessen führte der Generalrelator Kardinal Péter Erdö in die Grundgedanken und Struktur der Textvorlage der Relatio finalis ein, nachdem der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Baldisseri, zuvor die Arbeitsweise der zehnköpfigen Textkommission erläutert hatte. Das eingehende Studieren des um die 100 Paragraphen umfassenden Abschlussdokumentes ist damit in der 1. Lesung der privaten Lektüre am heutigen Donnerstagabend bzw. dieser Nacht vorbehalten, bevor der Text morgen Vormittag in der Generalversammlung in einer offenen Debatte zur Diskussion gestellt wird.

Synodale der XIV. Ordentlichen Bischofssynode bei der Lektüre (Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)


Mittwoch, 21. Oktober 2015

„Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ und über die Sorge, „dass der Text sich durch das Einfügen von Änderungen dramatisch verändert.“

Dass der letzte Bericht der deutschen Arbeitsgruppe mit dem Titel „Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ überschrieben ist, berichtete Kardinal Marx – anders als im vergangenen Jahr in englischer Sprache - auf der heutigen Pressekonferenz, zu der auch der irische Primas, Erzbischof Eamon Martin, und Montevideos Kardinal Daniel Fernando Sturla Berhouet (Uruguay)  eingeladen waren.
Kardinal Daniel Sturla Berhouet, Kardinal Reinhard Marx, Federico Lombardi (v.l.)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Die  bei  weitem  beste  und  offenste  Synode,  die  ich  erlebt  habe.“
(Kardinal Christoph Schönborn)
 
Kardinal Christoph Schönborn, Moderator des 'Circulus Germanicus' (Bild: KNA)
Dass die Synodalen mit den Gästen, Beratern und brüderlichen Delegierten in einem sehr guten „Klima der Synodalität“ (Kardinal Martínez Sistach) in den Plenarphasen, aber besonders intensiv in den Kleingruppen zusammengearbeitet hätten, war heute die einmütige Botschaft der zur Pressekonferenz eingeladenen Gäste in Bezug auf den Abschluss der 'Circoli minori' zum III. Teil des Instrumentum laboris. Neben Kardinal Sistach, dem Erzbischof von Barcelona, bestätigte auch der ebenfalls bereits von der III. Außerordentlichen Bischofssynode bekannte Erzbischof von Durban (Südafrika), Kardinal Wilfried Fox Napier, die sehr gute Arbeitsatmosphäre: Nachdem Papst Franziskus zu Beginn der ersten Synodenwoche seine letzten Bedenken an einem transparenten Arbeiten der Synode eindrucksvoll ausgeräumt hatte, ist der – zusammen mit den ebenfalls in den Pressebriefings der vergangenen Wochen bereits erlebten Kardinälen Vingt-Trois, Tagle und Assis – Präsident der Synode nun voll des Lobes:

Montag, 19. Oktober 2015

The one thing that's certain about next Sunday is that we might have finish the task. The journey will continue! 

Diese auch auf die synodale Struktur der Kirche gemünzte Feststellung machte der australische Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, der zusammen mit dem italienischen Erzbischof von Parma, Enrico Solmi,  und dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zu der heutigen Pressekonferenz geladen war.
Erzbischof Enrico Solmi, Erzbischof Mark Coleridge,
Patriarch Fouad Twal und P. Federico Lombardi (v.l.)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Über den Primat des Papstes, die Mitte des Evangeliums „unendlicher Zärtlichkeit“ und warum deshalb das heute heiliggesprochene Ehepaar in der Predigt des Papstes kaum zu Wort kam

Noch nicht einmal zwei Sätze seiner Predigt widmete Papst Franziskus direkt dem heute heiliggesprochenen Ehepaar Louis Martin und Marie-Azélie Guérin, den Eltern der Hl. Thérèse von Lisieux. Aber ihr Lebenszeugnis stand dennoch im Mittelpunkt, als Papst Franziskus mit großem Ernst und beinahe als Verstärkung seiner gestrigen Ansprache auf die Mitte des Evangeliums zu sprechen kam.
 
Screenshot aus der Heiligsprechungsmesse am heutigen 18.10.2015 in Rom

Samstag, 17. Oktober 2015

Der Weg ist das Ziel: oder Kollegialität und Synodalität als Wesensvollzug einer sich erneuernden Kirche
Der Festakt aus Anlass von 50 Jahren Bischofssynode wurde für die anwesenden Synodenväter und zahlreichen Gäste in der Audienzhalle Paul VI. zu einer Lehrstunde über „die Synode als Ort der Manifestation der bischöflichen Kollegialität, der Erneuerung der Kirche in Treue zum Evangelium und des unberechenbaren Wirkens des Heiligen Geistes“, wie der  Generalsekretär der Bischofssynode Kardinal Lorenzo Baldisseri Papst Franziskus aus seiner Ansprache zur Eröffnung der Generaldebatte der Bischofssynode am 5.10.2015 zitierte.
Papst Franziskus in seiner historischen Ansprache über die "Synodalität,
welcher der Weg ist, den Gott von seiner Kirche im 3. Jahrtausend erwartet."

Freitag, 16. Oktober 2015

In the Heart of the Synod is human Sexuality – Im Herzen dieser Synode ist die menschliche Sexualität

Bereits auf der vergangenen III. Außerordentlichen Synode – wie im Blog-Beitrag am 9.10.2014 zitiert – hatte es das Thema Sexualität schon unter die 'Top 5' der ersten Synodentage gebracht:

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Mission impossible – oder wie ich ein hinweisendes Zeichen auf Jesus, ein Zeuge seiner liebevollen Umarmung bin

 
Mission impossible“, sagte Pressesprecher Federico Lombardi angesichts der Aufgabe, die 93 Redebeiträge in einer einstündigen Pressekonferenz vorzustellen und im Pressegespräch zu vertiefen. Neben Federico Lombardi kamen jeweils für die verschiedenen Sprachgruppenbeiträge – wie schon zu Wochenbeginn, als die Redebeiträge zum II. Teil des Instrumentum laboris kurzgefasst wurden – Romilda Ferrauto (französisch), Manuel Dorantes (spanisch), Thomas Rosica (englisch) und P. Bernd Hagenkord (italienisch) zu Wort. P. Hagenkord berichtet von den wichtigsten Inhalten:

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Le synode est une chance non seulement pour l'église, mais pour le monde entière - Die Synode ist eine Chance nicht nur für die Kirche, sondern für die gesamte Welt!
Kardinal Philippe Ouédraogo, Kardinal Rubén Salazar Gomez, Kardinal Vincent
Nichols und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (v.l.; Bild: HolySeePress)
Diesen Satz sagte der zum dritten Mal an einer Bischofssynode teilnehmende Kardinal Philippe Ouédraogo, Erzbischof Ouagadougou (Burkina Faso) in einem Statement innerhalb der heutigen Pressekonferenz, in der er die Bedeutung des gemeinsamen Austausches, des voneinander Lernens und des Teilens der gemeinsamen Probleme und Herausforderungen auf der Ebene der Weltkirche beschrieb. Ein Gedanke fällt auch in seinem Bericht zum wiederholten Male als Beitrag des afrikanischen Kontinents, den schon Erzbischof Charles-Gabriel Palmer-Buckle aus Accra (Ghana) bei der Pressekonferenz am 8.10.2015 erwähnt hatte - wie in diesem Blog festgehalten - und gestern gegenüber Radio Vatikan ausführlicher beschrieb:

Dienstag, 13. Oktober 2015

"Das Ambiente ist heiter. Die Kleingruppen haben einen zivilisierenden Einfluss auf die Synodenmitglieder... Räumlich nah und eng beieinander, geht man mit Argumenten aufeinander ein, statt in einen Gegensatz abstrakter Ideen zu verfallen."

Dies sagte Abtpräses Jeremias Schröder heute ebenfalls mit benediktinischer Heiterkeit auf Italienisch in der Pressekonferenz, in der auch bekannt wurde, dass der auch zu Synodenbeginn mit deutlicher Kritik an den neuen Strukturen der diesjährigen Synodenarbeit vorgepreschte Kardinal Pell nach einer Woche Kleingruppenarbeit mittlerweile auch von einer guten Arbeitsatmosphäre spricht.
 
Thérèse Nyirabukeye (Ruanda), Moira McQueen (Kanada) Abtpräses Jeremias
 Schröder OSB und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (Bild: HolySeePress)

Montag, 12. Oktober 2015

Auch alte 'Synodenhasen' - ich habe heute jemanden getroffen, der ist schon auf seiner achten Synode hier - sagen mir: Das ist eine Revolution, das ist jetzt ganz anders!"

Vielleicht meinte der als  Delegierter der Ordensoberen gewählte deutsche Synodale, Abtpräses Jeremias Schröder OSB, in seinem Interview gegenüber dem offiziellen Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland 'Katholisch.de' den bereits erwähnten, ebenfalls zum achten Mal an einer Bischofssynode in Rom teilnehmenden Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, der gerade heute in einem von Seiten des Presseamtes des Vatikans veröffentlichten Videointerview die von Papst Franziskus weiterentwickelte Form der Synodalität gleichermaßen euphorisch lobte.
The last two synods - the one that proceeded and this one - are really great, great improvements. It's in a way a revolution. We're watching the development of the Synod! […]  I think it's a great step forward!.”

Sonntag, 11. Oktober 2015

Synodenruhetag – mit dem dreifachen Blick Jesu, zwei Stimmungsbildern und einem hoffnungsvollen Ausblick auf mögliche Synodenergebnisse

Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe – und anders als am nächsten Wochenende, an welchem dritten Synodensonntag, den 18.10.2015 mit Louis und Zelie Martin, den Eltern der Hl. Therèse von Lisieux, ein Ehepaar heiliggesprochen wird, ist der zweite Synodensonntag auch ohne einen alle Synodalen gemeinsam bindenden Termin. Heute war stattdessen nach den intensiven und beinahe pausenlosen Beratungen zuvor – auch für die deutschen Synodenteilnehmenden – ein Tag des Innehaltens, der Reflexion und Erinnerung wie des Ausblicks.

Aloys und Petra Buch, Bischof Franz-Josef Bode, Kardinal Reinhard Marx,
Erzbischof Heiner Koch und Erzabt Jeremias Schröder OSB (v.l.; Bild: KNA)

Samstag, 10. Oktober 2015

La sintesi dell' evangelizzazione e accoglienza - Die Synthese von Evangelisierung und Begleitung
Reinhard Kardinal Marx und Erzbischof Heiner Koch in Rom am 5.10.15 (Bild: KNA)
Mit dieser Redewendung beschrieb Pressesprecher Federico  Lombardi heute einen Gesprächsfokus der seit gestern und bis zum heutigen Vormittag andauernden Generaldebatte in der Synodenaula zum II. Teil des synodalen Arbeitsdokumentes, des Instrumentum laboris. Insgesamt 75 ‚freie Redebeiträge‘ – mehrheitlich aus dem europäischen Raum – widmeten sich in den vier Synodensprachen zu der Gesamtüberschrift des II. Teiles zur „Unterscheidung der Geister im Hinblick auf die Familie“ dem am Montag erwähnten ‚Blick Jesu‘ und der göttlichen, barmherzigen Pädagogik in Hinblick auf die Entfaltung menschlicher Liebe in Partnerschaft und Ehe (37-46), der kirchlichen Lehre zur Familie seit dem II. Vatikanischen Konzil (47-55) und schließlich der Entfaltung familialen Lebens von den Anfängen bis zur Entfaltung - einschließlich der schwierigen Situationen familialen Lebens (56-68).

Freitag, 9. Oktober 2015

I'm very much impressed by the openness to the diversity of situations and cultures, the diversity that brings complexity

Erzbischof Joseph Edvard Kurtz, Erzbischof Carlos Osoro Sierra, Kardinal Luis
Antonio Tagle, Pressesprecher Federico Lombardi (v.l.; Bild: HolySeePress)
 
Diese Worte sagte Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis, in einem Pressekonferenz-Statement am heutigen Tage der Vorstellung der ersten 13 Zwischenberichte der Kleingruppen zum 1. Teil des Intrumentum laboris. Er war bereits ein Jahr zuvor am Tage der Vorstellung des Aufsehen erregenden Zwischenberichts der III. Außerordentlichen Bischofssynode ebenfalls in einem Pressebriefing als Gesprächspartner für die Öffentlichkeit  ausersehen gewesen. Und dieses Mal wurde Kardinal Tagle, der bereits zum sechsten Mal an einer Bischofssynode teilnimmt und dessen Person als Mitglied der zehnköpfigen Redaktionskommission des Abschlussdokumentes der Synode besonderes Gewicht zukommt, begleitet durch den ebenfalls aus dem vergangenen Jahr bereits bekannten Vorsitzenden der amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Edvard Kurtz (Louisville), der zugleich Berichterstatter der Kleingruppe 'Englisch A' ist, und dem Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro Sierra.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Eine Synode des Volkes, die die Arbeit von zwei Jahren zusammenträgt

Nur noch von Ferne berührte heute in der Pressekonferenz der im wahrsten Sinne abwegige und mit der Realität der Synodenteilnehmenden im Grundsatz unvereinbare Gedanke einer 'konspirativen Verschwörung', als die beim heutigen Pressebriefing eingeladenen Gäste ihre Eindrücke von dem Herzstück dieser XIV. Ordentlichen Bischofssynode berichten: der Arbeit und den Themen der Klein- und Sprachgruppen. Mit den drei Gästen aus Italien, Syrien und Ghana stand gewissermaßen die Weltkirche den Journalisten zur Antwort bereit. Und während der einstündigen Pressekonferenz vermittelten Kardinal Eduardo Menichelli, Erzbischof von Ancona-Osimo (Italien), Erzbischof Gabriel Charles Palmer-Buckle von Accra (Ghana), und Msgr. Ignace Youssif III Younan, Patriarch von Antiochien der Syrer und Vorsitzender der Synode der Syrisch-Katholische Kirche trotz oder wegen ihrer kulturellen Verschiedenheit eine Botschaft, die Kardinal Menichelli mit der Charakterisierung dieser Bischofsversammlung als „Synode des Volkes“ zum Ausdruck brachte.

Erzbischof Gabriel-Charles Palmer-Buckle, Patriarch Ignace Youssif III Younan,
Kardinal Eduardo Menichelli und Pressesprecher F. Federico Lombardi (v.l.)